News from the Goetheanum

Wie werden wir zukunftsfähig?

creado por Wolfgang Held |
Goetheanum veranstaltete vom 18. bis 21. Juli 2007 mit ca. 400 Besuchenden den Sommerkongress “Die Würde des Menschen“

Die Sommertagung am Goetheanum "Die Würde des Menschen" bedeutete einen neuen Schritt. Erstmals wurden in grossem Umfang verschiedensten Initiativen und Kulturträger eingeladen, um gemeinsam die Frage, wie im 21. Jahrhundert die Würde des Menschen in allen Lebensgebieten Wirklichkeit werden kann, zu beraten.

Irina Scherbakowa, Historikerin aus Moskau, sprach zum Thema "Menschsein heisst Erinnern". Das Erlebnis, dass der Terror der stalinistischen Zeit verdrängt und verschwiegen wird, brachte sie dazu, "Memorial" zu gründen. "Die Würde des Menschen setzt Wahrheit voraus.", so die Historikerin, "deshab muss Licht in unserer Vergangenheit - nicht nur der Millionen Opfer willen, sondern auch um unser selbst willen." Ausserdem sprach Ha Vinh Tho, Ausbilduungsleiter vom IKRK in Genf. Er erzählte von heilpädagogischen Heimen, die er in Vietnam gegründet hatte. Dabei machte er die interessante Beobachtung, dass in der Sorge für die behinderten Kinder buddhistische Schwestern und katholische Schwestern und Regierungsbeamte zusammenarbeiten konnten. Was zuvor niemand gelungen ist, das gelang den Behinderten: Frieden und Zusammenarbeit zu stiften. Am zweiten Tag ging es um die menschliche Würde in der Wirtschaft. Wie kann die Ökonomie wieder das werden, was ihr eigentlicher Kern ist, dass man für andere etwas leistet? Die Unternehmer Götz Rehn (Alnatura) und Götz Werner (dm-Drogeriemarkt) diskutierten die Frage, wie sich der Erfolg eines Unternehmens, jenseits der Profitmaximierung fassen lasse. Maritta Koch-Weser, die viele Jahre in der Weltbank tätig war, schlug vor, statt von "Non-Profit-Organisationen" besser von Social-Profit-Organisationen zu sprechen. „Es sei grossartig, wie sehr dieser soziale, kulturelle Mehrwert ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücke.“

Frithjof Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des EU-Entwicklungshilfe-Ausschuses, erläuterte, wie der Subventionspraxis der EU die globale Verantwortung noch häufig fehlt: So wird von der EU in afrikanischen Ländern der Anbauf von Tomaten gefördert. EU-Produktionsüberschüsse von Tomatendosen landen zu Dumpingpreisen in diesen Länder. Die Dosen zerstören dadurch den gerade aufgebauten Gemüsemarkt.

Die Konferenzteilnehmer waren sich einig, dass für eine gerechtere und würdigere Welt der Schlüssel nicht in neuen Programmen und neuen Wirtschaftsordnung liegt. Es braucht eine Entwicklung des Bewussteins von jedem einzelnen. Frithjof Schmidt zitierte den Rockmusiker Bono, daß jeder Einkauf eine politische Handlung sei. "Wer einkauft, geht wählen.“ „In unseren Willen sollte das Denken mehr hinein und in unser Denken der Wille – man wird glücklich, wenn man versteht, was man tut und wenn man tut, was man versteht.“, so beantwortete Bodo v. Plato (Goetheanum) die Frage, die allen Beiträgen zur Grunde lag, die Frage nach der Zukunftsfähigkeit jedes Menschen.

Weil für ein neues Bewustsein die Kunst naturgemäss ein Motor ist, stand das Schöpferische am dritten Tag im Zentrum. Gerald Häfner, Vorstandsprecher der Vereinigung "Mehr Demokratie" wiess auf Joseph Beuys und dessen Idee der sozialen Plastik, als Triebfeder für die Entwicklung unserer Gesellschaft. "Wir selbst müssen uns als Kunstwerk verstehen, wir selbst sind das Material,unser Denken ist das Material, aus dem ein unverwechselbares Kunstwerk entstehen kann. Dieses Sein eigener Schöpfer sein, Selbst-ein-Kunstwerk-sein, bringt die Welt mehr als alles andere voran."

Nach drei Tagen Gesprächen, Diskussionen und Aufführungen endete der Kongress mit einem stillen Feuerwerk. Der Aktionskünstler Peter Gschwend liess im Dunklen Ballons mit phosopheszierenden Lichtern aufsteigensteigen, die der Wind über die Köpfe forttrieb. Eine Tagungsteilnehmerin beim Anblick des Gefunkels: "Die Würde des Menschen ist wie diese Lichter: beeindruckend und still und voller Möglichkeit."

Im November trifft sich der internationale Kreis der Veranstalter, um eine mögliche Fortsetzung des Symposions ins Auge zu fassen.


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