News from the Goetheanum

Unverhältnismässige Durchsuchung

creado por Wolfgang Held |
Chronologie der Durchsuchung des Goetheanum und Protestnote an die Staatsanwaltschaft

Der 6. März war ein außerordentlicher Tag für das Goetheanum. Als ein Dienstag ist er unter den Wochentagen am Goetheanum mehr als andere dem gemeinsamen Gespräch gewidmet: vor Arbeitsbeginn treffen sich alle Mitarbeitenden zu einer dreiviertelstündigen Gesamtkonferenz, anschließend berät sich das Hochschulkollegium und am Nachmittag der Vorstand. Der Tag endet mit der wöchentlichen Mysteriendramen-Studienarbeit der Mitarbeitenden der Bühne mit dem Hochschulkollegium gegen 22 Uhr oder später.

Um 8.30 Uhr erschienen am Dienstag der vergangenen Woche am Empfang die solothurner Staatsanwältin Barbara Lips und fragte mit zehn begleitenden Beamten nach den Vorstandsmitgliedern. Paul Mackay, dann Cornelius Pietzner und Bodo v. Plato wurden aus der Mitarbeiter-Versammlung herausgeholt, sahen die Ausweise der Polizisten, sowie den amtlichen Durchsuchungsbescheid. Wie sich herausstellte, hatten Angehörige der Gruppierung „Gelebte Weihnachtstagung“ (GWT) bereits im Sommer 2006 eine Strafanzeige gegen die Mitglieder des Vorstandes eingereicht und darin den Vorwurf der Veruntreuung im Zusammenhang mit vergangenen Prozeßkosten erhoben. Dem ersten Durchsuchungsteam folgten zwei weitere, so daß bald über 40 Beamte im Archiv des Goetheanum, den Büros der Vorstandsetage sowie der Finanzbuchhaltung Akten sichteten, in Kisten verstauten, sowie Schubladen durchforsteten und Computerdaten kopierten. Das unwirkliche Treiben dauerte den ganzen Tag und die Mitarbeitenden fragten sich, wie eine Anzeige der bekannten Randgruppe den Anlaß für solch ein Aufgebot in solchem Ausmaß geben kann. Prof. Dr. Christian Brückner, der Anwalt des Goetheanum traf gegen 9.30 Uhr am Goetheanum ein und vermutete schon bald, daß die Durchsuchung in keinem Verhältnis zur Lage der Tatsachen stand. Parallel zur Durchsuchung wurden die

Mitglieder des Vorstandes viele Stunden zu Fragen der Entscheidungswege und Details des Konstitutionsprozesses einzeln vernommen. In vielen Fragen spiegelte sich die Sichtweise der GWT wieder. Am Abend, als es am Goetheanum wieder still wurde, trafen nach und nach die Vorstandsmitglieder ein und berichteten von ihren Verhören. Es stellte sich heraus, dass die Fragen sich im wesentlichen darauf bezogen, ob die Vorstände persönlich für die Kosten in den Auseinandersetzungen um die Konstitution aufzukommen haben oder ob es legitim sei, dass sie von der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft bezahlt werden, obwohl sie in mancher gerichtlichen Auseinandersetzung nicht direkt als Beklagte angesprochen war. Aus diesem Zusammenhang ergab sich der Vorwurf der „ungetreuen Geschäftsführung“ oder gar der „Veruntreuung“. Um 19.30 Uhr fand dann die bisher verhinderte Vorstandssitzung statt; das Hochschulkollegium traf sich noch um 21 Uhr und vom 21.30 bis 22.30 Uhr konnte die Arbeit an den Mysteriendramen stattfinden.

Die Aktion schien unverhältnismässig und war verletzend– in diesem Sinne wandte sich auch unser Anwalt, Prof. Dr. Christian Brückner mit einem Protestschreiben an die Staatsanwaltschaft. Es schien unglaublich, dass die Staatsanwaltschaft mit einem solchen Aufgebot angerückt ist, bloss weil einzelne Mitglieder der GWT behauptet hatten, die Verfahrenskosten hätten nicht der Anthroposophischen Gesellschaft belastet werden dürfen und die Mitglieder seien diesbezüglich getäuscht worden. Die Verfahrenskosten und deren Verbuchung zulasten der Anthroposophischen Gesellschaft war nie bestritten worden gewesen und konnte leicht belegt werden. Ob die Mitglieder getäuscht worden sind, lässt sich aufgrund der Mitteilungen im „Nachrichtenblatt“ und aus den Protokollen der vergangenen Generalversammlung beurteilen, ohne dass es einer Hausdurchsuchung bedurft hätte. Es zeigte sich aber, dass die Staatsanwaltschaft die Behauptungen der Antragsteller nicht hinlänglich überprüft hatte und beispielsweise der irrigen Meinung gewesen war, die Gerichte hätten den Vorstandsmitgliedern Prozesskosten von mehr als 800.000 CHF auferlegt (in Wirklichkeit ging es im Urteil des solothurnischen Obergerichts um 100.000 CHF) Auch hatte die Staatsanwaltschaft übersehen, dass das Obergericht die Klage gegen die Vorstandsmitglieder zurückgewiesen hatte.

Im Kostenentscheid war die AAG (WT) zur Kostentragung verurteilt, die Vorstandsmitglieder lediglich für die Einbringlichkeit dieses Geldes haftbar erklärt worden. Dass die AAG diese Kosten tragen musste, ergibt sich daraus, dass das ganze Konstitutionsverfahren, von seiner Vorbereitung über die Durchführung bis zur gerichtlichen Verteidigung, die Gründungsgeschichte der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft betrifft, nicht Probleme individueller Vorstands- oder Vereinsmitglieder. Angesichts der Missverständnisse aufseiten der Staatsanwaltschaft hat Prof. Dr. Christian Brückner dieser Amtsstelle in seinem Protestschreiben auch Leichtfertigkeit, das heisst ungenügende Vorbereitung, vorgeworfen.


Wolfgang Held
Goetheanum
Kommunikation und Öffentlichkeit


This week at the Goetheanum

Goetheanum
as Worldwide
Spiritual
Center

The Goetheanum is a center of a worldwide network of spiritually engaged people. It is the seat of the School of Spiritual Science  and the General Anthroposophical Society, which serves as a place of exchange for those with spiritual questions, and a place for trainings in scientific and artistic fields. 

Events range from lectures on special themes, to large, international conferences, to performances by  ensembles and guest performances in Eurythmy, theater, puppetry and music. 

Situated in the Jura landscape, 10 Kilometers South of Basel, the Goetheanum sits grand on the Dornach hill, with its expressive architecture and picturesque garden park, café, bookstore and gift shop.