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Seminar: Rosenkreuzermärchen

creado por Almut Bockemühl |
Von 20. bis 22. April fand am Goetheanum ein Arbeitstreffen zum Thema "Rosenkreuzermärchen" unter Leitung von Almut Bockemühl und Hedrun Stöbe-Eckardt statt.

Das Thema "Rosenkreuzertum" war das letzte Jahresthema der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Es ist tief in den esoterischen Grundlagen der An­throposophie verankert und findet in diesen Kreisen immer viel Interesse. Bei Anthro­posophen, die sich mit Volksmärchen beschäftigen, ist im Allgemeinen auch Rudolf Steiners Äußerung bekannt, die alten Märchenerzähler seien Schüler der Rosenkreuzer gewesen (siehe Vortrag vom 19. Juni 1911: "Rosenkreuzerisches Weistum in der Märchendichtung").

Rosenkreuzertum ist eine Geistesströmung, die sich historisch durch die drei überlieferten Rosenkreuzerschriften aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg belegen lässt sowie um die von Rudolf Steiner hinzugefügten Mitteilungen, jedoch nicht um die Vielzahl der sich dieses Namens später bedienenden Vereinigungen, von denen es Hunderte gab und gibt. Das, was Rudolf Steiner als das "Rosenkreuertum im engeren Sinn" bezeichnete, bezieht sich auf einen geheimen Orden, dessen Wirksamkeit man etwa in der Zeit vom 13. bis 15./16. Jahrhundert ansetzen kann (Christian Rosenkreutz lebte über 100 Jahre, von 1378 bis 1484). Was nun die Volksmärchen angebt, so sind sie sicher nicht erst in dieser Zeit entstanden. Es ist aber gut möglich, dass sie damals von den Schülern des Christian Rosenkreutz gestaltet und durchkomponiert und bewusst in volkspädagogischer Absicht verbreitet worden sind.

Um was für Märchen könnte es sich da handeln? Nicht jede Sage, jede Legende und jeder Schwank, die im Volk erzählt worden sind, ist ein Rosenkreuzermärchen. Wie können wir die Spreu vom Weizen trennen? Es gibt keine äußeren Urkunden dazu; nur im Blick auf die Märchen selbst können wir versuchen, uns ein Urteil zu bilden. Es ist eine lohnende Aufgabe, ganz konkrete Märchen unter diesem Aspekt zu betrachten, ihre Motive, ihren Sprachstil und die durch sie hervorgerufenen Gedankenformen zu untersuchen und sich damit einem echten imaginativen Bewusstsein anzunähern – besonders wichtig in einer Zeit, in der sich die Grenze zwischen der Gegenstandswelt und einer virtuellen Scheinwelt immer mehr verwischt.

Im Mittelpunkt des Arbeitstreffen standen die beiden Grimmschen Märchen "Die Kristallkugel" und "Der treue Johannes". In beiden begibt sich der Protagonist auf einen Weg, einen Einweihungsweg, auf dem er durch sehr verschiedene Prüfungen ein hohes Ziel erlangt. In einem Fall geht es darum, ein geheimnisvolles inneres Bild (vergleichbar mit dem "verschleierten Bild zu Sais") in die Wirklichkeit zu holen – durch das Vertrauen zur geistigen Führung und durch Opferwilligkeit. Im anderen haben wir eine Prüfung der Tapferkeit und Furchlosigkeit, und der Weg führt durch Feuer, Luft und Wasser zum Erwerb der "Kristallkugel", die Kristallines und Sphärisches, Sal- und Merkurprozess im alchymistischen Sinne, in sich vereinigt, was über das in der Natur Mögliche hinausgeht und wodurch die "Erlösung" – man kann wohl auch sagen: das Menschheitsziel – erreicht wird. Andere Märchen, die kürzer besprochen wurden, waren das Tierbräutigammärchen "Die goldene Ampel und der silberne Stab" (Schweiz), "Die sieben Fohlen" (Norwegen) und "Der Jüngling und das große Tier mit dem Menschenkopf" (Gascogne).

Die Arbeit soll am ersten Februarwochenende 2013 eine Fortsetzung finden.


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