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Gastspiel: "Die Geschichte vom Soldaten" (Ramuz/Strawinsky) in Regie von Dimitri

creado por Sebastian Jüngel |
Am 17. Januar spielten Dimitri und seine Truppe mit acht Berliner Philharmonikern am Goetheanum die "Geschichte vom Soldaten". Sie erinnert mit ihren einfachen Bildern und Reimen an eine Moritat; doch das Holzschnittartige schafft inneren Freiraum, da durch das Typische hindurch das Menschliche wirkt.

Masha Dimitri agiert schon vor Beginn auf der offenen Bühne wie eine Gastgeberin, die ihre Mitspieler, die Musiker und die Gesamtsituation im Bewusstsein trägt. Tatsächlich versorgt sie dann auch den Erzähler mit einer Karaffe voll – ja voll von was eigentlich? Wasser, Wein, Schnapps? Im Laufe des Abends ist jede Variante davon denkbar.

Auf einfache Bilder und Bewegungen reduziert, ist die "Geschichte vom Soldaten" von holzschnitzartiger Natur. Jede Aussage des Textes sitzt. Die Reime erinnern mit ihre Lakonie und inhaltlichen Treffsicherheit an Goethes "Faust", was auch daran liegen mag, dass wir es hier wie dort mit der Verführung des Teufels zu tun haben. Seit jeher vertritt er in der Literatur witzigen, raffinierten, überlegenen, da vorausschauenden Esprit. 

Der Soldat Joseph hat Urlaub und freut sich auf seine Heimat, auf seine Mutter, seine Familie. Er weiß zwar die Geige zu spielen, nicht aber zu lesen. Der Teufel will die Geige haben, will lernen, auf ihr zu spielen – dafür lehrt er den Soldaten, das Buch zu lesen, das er ihm zunächst vergeblich anzupreisen versuchte. Man sieht: Nichts ist hier ohne Bedeutung, wir sind mitten in einer lehrhaften Geschichte. Denn die Geige erweist sich als Seele, als Identität des Soldaten. Ohne sie findet der Soldat keinen Zugang mehr zu seinem Lebensumkreis. Doch als er später die kranke Prinzessin aus ihrem Leid befreit und sie für sich gewinnt, führt ihn der Weg zurück in seine Heimat ins Verderben. Denn nun kann der zuvor besiegte und um die Geige gekommende Teufel wahr machen, was der Erzähler am Schluss als Moral der Geschichte festhält: "Man soll zu dem, was man besitzt, begehren nicht, was früher war."

So, wie der Erzähler die Geschichte reflektiert und zuweilen mitspielt, könnte man in ihm auch eine Art höheres Bewusstsein des Soldaten sehen, der auf sein eigenes Leben blickt und am Ende daraus in der Moral seinen Schluss zieht. Dass Andrea Noce Noseda als Erzähler technisch verstärkt wurde, schuf eine weitere Distanz (gleichwohl kam er zuweilen gegen die an sich sensibel und freudig gespielte Musik unter der Leitung von Whitney Reader nicht an.)

Alle Spieler bekräftigen durch ihre auf Weniges konzentrierte Darstellung den Charakter der Moritat, etwa Andreas Manz, der den Soldat als menschlichen Simpel spielt, von einfachem Gemüt, der aber eben mit Gemüt durchs Leben zieht und sich von anderen (ver-)führen lässt. Oder Dimitri, der den Teufel mit einer wahren Wonne spielt und sich einmal mehr als sprachkräftiger Schauspieler erweist, bei dem zudem jede Geste sitzt: Der Teufel spielt, wirkt putzig, hat aber immer das Ganze, die Seele, im Blick. So harmlos, wie er tut, ist er denn auch in Dimitris Darstellung nicht. Oder Masha Dimitri, die im Spiel tatsächlich noch als Wirtin zur Gastgeberin wird – und als Prinzessin ihre Genesung mit anmutiger Lebensfreude tanzt.

Bei all dem lässt die Musik Igor Strawinskys ahnen, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen wird, Weltenschicksal – der Erste Weltkrieg – ist spürbar. Wäre da nicht der durchgängige Humor, durch den Dimitri als Regisseur Erzähler, Darsteller und Musiker zu einer Spielgemeinschaft zusammenführt und so dem Zuschauenden ermöglicht, sich selbst erkennend und doch freilassend auf seine eigene Verfassung zu befragen. So gelingt es dem Ensemble, mit der einfachen, aber nicht moralisierenden Holzschnittartigkeit und in der einfachen Ruhe ein Gegenbild zur Action auf der Bühne und im Film zu schaffen. Atem, Ruhe und Zusammenspiel sind der belebende Ertrag der Inszenierung. Das Publikum dankte dies mit nachhaltigem Applaus.

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