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"Wo viel Licht ist ..." - Pressekonferenz am Goetheanum

Created by Wolfgang Held | |   General Anthroposophical Society
Etwa 300 Teilnehmende kamen zu der Pressekonferenz zu dem das Goetheanum und das Rudolf-Steiner Archiv eingeladen hatten. Die Veranstaltung war zugleich Auftaktfeier zu dem Jubiläumsjahr 150 Jahre Rudolf Steiner sowie Präsentation des heutigen Standes des anthroposophischen Kulturschaffens.

Michaela Glöckler eröffnete die Veranstaltung mit einem Hinweis auf den Ausspruch von Markus Brüderlin. Der Leiter des Museums Wolfsburg hatte bei der Ausstellung "Rudolf Steiner und die Kunst der Moderne" bemerkt, "dass die Zeit vorbei sei, in der man Rudolf Steiner nur den Anthroposophen überlassen dürfe." Er gehöre als bedeutender Vordenker des 21.Jahrhunderts in das allgemeine Kulturleben und müsse hierfür als Inspirator neu entdeckt werden. Von Michaela Glöckler wurde das als positives Zeichen gesehen, dass Rudolf Steiner immer selbstverständlicher in die Spitze des Kulturlebens eingereiht wird. 

"Mit Anthroposophie kann man die Welt besser erkennen", so eröffnete Götz Werner (dm Drogeriemarkt) die statements der Gäste auf dem Podium und ergänzte, daß heute sie dazu anrege, statt nach dem Wie nach dem Warum und damit nach dem Sinn zu fragen. Hana Giteva, Projektmanagerin sprach darüber, was Anthroposophie aus dem Kanon der spirituellen Strömungen heraushebe: "häufig geht es um das Seelische, das spielt aber in der Anthroposophie keine direkte Rolle, dort geht es um die geistige, ideelle Dimension und zugleich um die Tätigkeit. Anthroposophie ist in diesem Sinne näher und zugleich ferner vom Leben als andere esoterische Richtungen.

Aban Bana strich den internationalen Rang von Rudolf Steiner hervor. Für spirituell orientierte Kulturen, wie sie im mittleren Osten vertreten sind, spielt es eine grosse Rolle, ob man, so Bana, in Europa Verantwortliche einer spirituellen Weltzuwendung findet. Als nächster auf dem Podium äusserte sich der Physiker und ehemaliger Leiter des Max Planck Institutes für Metallforschung Prof Dr. Helmut Fischmeister. "Das heutige Wissenschaftsparadigma verleugne den Geist. Eine solche Geistleere, so der Physiker weiter, befördere den Boden für den "Ungeist des 20. Jahrhunderts". Mit dem Schillersatz "Was hat der Mensch dem Menschen grösseres zu geben, als die Wahrheit." schloss Fischermeister seinen Beitrag. Gerald Häfner, Mitglied des EU-Parlaments und Mitbegründer von "Die Grünen" und von "Mehr Demokratie" unterstrich mit einer Brandrede die Aktualität und Zukünftigkeit von Rudolf Steiners Ideen. "Heute bemühen wir uns, Ökologie und Ökonomie zu vereinen - bei Rudolf Steiner war es vorhanden. Wir bemühen uns, eine Pädagogik zu entwickeln, in der das Kind nicht als Gefäß missverstanden wird - bei Rudolf Steiner in der Waldorfpädagogik bereits Wirklichkeit geworden. Wir bemühen uns, die Gesellschaft von Ideologien und Parteien zu entmachten und auch hier stellen wir fest, dass Rudolf Steiner in seiner Vision einer auf Freiheit und Verantwortung aufgebauten Gesellschaft viel weiter war." Häfner ergänzt, dass es sich bei den anthroposophischen Ideen nie um Rezepte handle, sondern, dass erweckt würde, was man selbst als Weg zur Freiheit in sich trage." Es gäbe heute "viel Debatte und Getöse über das Wie - Anthroposophen tun es." Dies gelinge, weil es  Anthroposophie immer darum gehe, die Spanne zwischen Ich und Welt zu überbrücken, Verantwortung für die eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen ebenso zu übernehmen, wie für die Welt."

In der Reihe auf dem Podium folgte Ute Crämer, Begründerin eines grossen Entwicklungsprojektes in den Favelas von Sao Paulo. Sie betonte, dass das Elend, dem man in den Medien begegne immer einen konkreten Namen besässe, es sind einzelne Kinder denen die Eltern, ein Zuhause und Nahrung fehle. "Jeder Mensch ist entwicklungsfähig" ist für Ute Cramer das Credo der Anthropsophie und daraus wachse die Energie und Zuversicht, den Schwierigkeiten solcher Sozialprojekte die Stirn zu zeigen. Man könne ohne eine spirituelle Haltung gar nicht nachhaltig Entwicklungshilfe betreiben. 

Marjetta von Boeschoten, Unternehmensberaterin aus England, betonte ebenfalls, daß es in der Anthroposophie immer um Anwendung ginge. "There are a wide range of applications. We can see the fruits."

Den Abschluss der Statements übernahm Bodo v. Plato, Vorstand am Goetheanum. Er betonte, dass er Verständnis habe für Marcus Bründerlins Forderung, dass Rudolf Steiner nicht den Anthroposophen gehören dürfe. Man finde tatsächlich, so Plato, innerhalb des anthroposophischen Lebens ein ganzes "Mysterium des Sektiererischen und Dogmatischen". Man dürfe aber nicht vergessen, dass es den und diesen Anthroposophen zu verdanken sei, dass Steiners Ideen zugänglich und in ihrer kulturellen Wirksamkeit sichtbar seien. "Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten" bedeute, dass es in der Natur der Sache, in der Grösse der Anthroposophie und Rudolf Steiners liege, dass sich in den Leistungen von anthroposophischen Unternehmungen auch Dinge zeigten, die diesen Gedanken entgegenstünden. Zum 20. Jahrhundert gehöre, so Plato, dass jedes Ideal nur dann ins Leben treten könne, wenn auch sein Gegenteil anwesend sei. Hier bedeute dies, dass die Verwirklichung des Menschheitsideals, wie es Anthroposophen anstreben, zugleich auch deren eigene Ohnmacht sichtbar mache. 

Bodo v. Plato erinnert ausserdem daran, dass die Welt, in die Rudolf Steiner vor "angeblich 150 Jahren" hineingeboren wurde so anders war als die heutige und dennoch vermögen seine Gedanken heute Zukunft bilden. "Rudolf Steiner fängt erst an, aktuell zu werden." Dazu gehöre, dass Rudolf Steiner der "Entdecker des Gewissens ist, das nur im einzelnen Menschen sich zu regen vermag." Gleichzeitig zeige Anthroposophie, dass "was uns im Innern bewegt, das Gleiche ist, was die Welt bewegt." 

Auf die Frage, welche Erwartungen man für 2011 habe, antwortete Plato, dass das Jahr eine Gelegenheit sei, über Rudolf Steiner zu sprechen und dabei nicht zu verharren, sondern darüber zu sprechen, was Rudolf Steiner am Herzen lag, die Verwirklichung des Menschenwesens, grossartig und schattenhaft wie es sei, es verstehen und lieben zu lernen. 

Daraufhin folgte ein Gespräch mit den im Saal versammelten. Nach der Mittagspause schlossen sich zu einzelnen aktuellen Fachfragen Round Tables an. Um 16 Uhr endete der Tag am Goetheanum mit dem nun das Jubiläumsjahr 2011 seinen Anfang nimmt. Die Doppelgestalt der Veranstaltung, Medienkonferenz und Auftaktfeier zugleich zu sein, sprach 45 ausgewiesene Journalisten an, von denen die Hälfte anthroposophisch orientierte Organe vertraten. Dass im Saal des Goetheanum ein anthroposophisches Wir-Gefühl die Atmosphäre prägte, sollte man nicht beklagen, sondern als Bild begreifen, dass in der Anthroposophie eine Kraft innewohnt, die all diejenigen, die sich von ihr inspirieren und befähigen lassen, immer wieder zu einer Gemeinschaft zusammen führt. Diesem Umstand mag man an einem solchen Anlass etwas mehr innere Distanz wünschen, aber dabei sollte man dennoch nicht vergessen, ihn auch zu feiern. 

 

 


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The Goetheanum is the headquarters for the School of Spiritual Science and the General Anthroposophical Society. The School of Spiritual Science with its eleven sections is active worldwide in research, development, teaching, and the practical implementation of its research findings and is supported by the Anthroposophical Society.

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