News from the Goetheanum

Sanierung: Buch zur Aufgabe des Goetheanum

Created by Sebastian Jüngel |
Das Goetheanum wird bald saniert – für welche Nutzung? Christiane Schwarzweller (Ägyptologin und Künstlerin) und Martin Zweifel (Leiter der Bau-Administration am Goetheanum) setzen sich in ihrem Buch "Gedanken zum zweiten Goetheanum" dafür ein, den Mysterienbau im Zusammenhang seiner Aufgaben zu gestalten.

Schwarzweller und Zweifel entwickeln mit ihrer Schrift "Gedanken zum Zweiten Goetheanum" Kriterien zur weiteren Gestaltung der Innenräume des Goetheanum als Mysterienbau. Sie stellen erstaunt fest, dass das Zweite Goetheanum zwar vielfach als Baukörper beschrieben, aber praktisch nicht in seiner Funktionalität betrachtet wird. Natürlich sind sie nicht die Ersten, die dem Goetheanum Aufgaben zuschreiben. 

Sie gehen von der Formgestalt der von Rudolf Steiner modellierten Grundform aus und wollen daraus das Wesen Goetheanum selbst sprechen hören. Um die Sprache dieses Wesens verstehen zu lernen, untersuchen sie, warum es so anders aussieht als das Erste Goetheanum und wo die neue Hülle andere Schwerpunkte für die Aufgaben der Anthroposophie zeigt. Aus dem, was sie "hören", entwickeln sie Vorschläge für die Gestaltung von Innenraum und Park. Die konkreten Beobachtungen vor Ort und die daraus gewonnenen Gedanken ergänzen und beleuchten Schwarzweller und Zweifel Schritt für Schritt durch übergeordnete Gesichtspunkte der Menschheitsentwicklung und der daran mitgestaltenden Tempelbaukunst, in deren Tradition sie auch das Zweite Goetheanum sehen.

An der Formgestalt beteiligt sehen die Autoren verschieden wirkende Kräfte, beispielsweise die umgewandelten Formen des Vorgängerbaus und die in der Außengestalt aufgegriffene Gempenfluh-Felsformation. Darin zeigt sich zugleich das Anliegen von Schwarzweller und Zweifel: Der Mysterienbau stellt sich in eine konkrete Umgebung und folgt einer wesenhaften Formensprache, die sich zwischen den Polen nüchterner, betriebsamer Osten und kraftvoller, lebendiger Westen auffaltet, in ahrimanische und luziferische Qualitäten. Schwarzweller und Zweifel zeigen auf, dass sich oft die so beschriebenen Qualitäten der Raumformen polar zu den von ihnen unterstützten Seelentätigkeiten der Menschen verhalten. 

Charakteristisch für ihre Methode ist, wie Schwarzweller und Zweifel an die Frage nach dem Standort der plastischen Gruppe "Der Menschheitsrepräsentant" herangehen. Martin Zweifel lässt offen, ob diese im Gruppenraum verbleiben oder ihren Platz auf der Bühne erhalten sollte. Auf jeden Fall sollte die Umgebung der Gruppe als wesenhaftes Mysterienkunstwerk gerecht werden – mit jeweils konkreten Gesichtspunkten. Ein Beispiel: Falls die Gruppe auf die Bühne käme, so müsste alles, was "rein profane Veranstaltung" wäre, auf dem Proszenium stattfinden, denn alle Manipulationen um die Gruppe herum (diese hin- und herfahren "wie in einer Kuckucksuhr" oder sie verdecken) sieht Zweifel als unpassend an. Wenn man sich für den Standort Bühne entscheidet, wäre dies "der letzte Akt einer großen sozialen und geistigen Bewegung in der [Anthroposophischen] Gesellschaft". Es geht also nicht einfach darum, Lösungen zu benennen, sondern die jeweils architektonisch-sozialen Konsequenzen zu beachten. 

Darüber hinaus gibt es insbesondere einen Vorschlag, der das Engagement des Architekten Zweifel spüren lässt. Mit Blick auf Rudolf Steiners und auf den in seiner Zeit üblichen Umgang mit dem damals noch neuen Rohstoff Beton appelliert Zweifel für ein Verputzen der Außenhülle – nüchtern gesagt: ein notwendiger Witterungsschutz. Da Steiner für das Modell des Zweiten Goetheanum ausnahmsweise rotes Plastelin verwendete, schließt Zweifel, dass auch das Zweite Goetheanum diesen Farbton hätte bekommen sollen – als Ausdruck seines Michaelimpulses. Das Büchlein ist aber auch hier – bei allem Einsatz für diese Lösung – engagiert und freilassend zugleich. Beiden Autoren geht es darum, dass das Gespräch über die Gestaltung des Innenraums des Goetheanum fundiert und auf Grundlage vielseitiger Gesichtspunkte zunächst geführt wird, um dann zu Ergebnissen zu kommen.

Christiane Schwarzweller und Martin Zweifel: Gedanken zum zweiten Goetheanum, Eigenverlag, ISBN 978 3 033 04175 2, Fr. 23 / € 19

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Quelle: Anthroposophie weltweit Nr. 9/2013


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The Goetheanum is the headquarters for the School of Spiritual Science and the General Anthroposophical Society. The School of Spiritual Science with its eleven sections is active worldwide in research, development, teaching, and the practical implementation of its research findings and is supported by the Anthroposophical Society.

Events range from lectures on special themes, to large, international conferences, to performances by  ensembles and guest performances in Eurythmy, theater, puppetry and music. 

Situated in the Jura landscape, 10 Kilometers South of Basel, the Goetheanum sits grand on the Dornach hill, with its expressive architecture and picturesque garden park, café and a bookstore.