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Pädagogische Sektion: Erste Weltlehrertagung für Fremdsprachen

Created by Florian Osswald |
350 Lehrerinnen und Lehrer aus 36 Ländern folgten der Einladung der Pädagogischen Sektion und der Initiativgruppe von Fremdsprachenlehrern zur ersten Weltlehrertagung für Fremdsprachen von 1. bis 6. April 2013. Die Möglichkeiten und Nöte dieses Schulfaches standen ebenso im Raum wie die Qualitäten der vertretenen Fremdsprachen.

Einen ersten Spannungsbogen von den Idealen der Schulgründung durch Rudolf Steiner 1919 und den hohen kosmopolitischen Zielen bis zur Frage der Realisierung heute schlug zunächst Christof Wiechert. Er fragte, wo die menschenkundlichen Wurzeln für ein Fremdsprachenlernen liegen, das den ganzen Menschen so ergreift und bildet, damit der Unterricht auch effektiv ist. Und: Durch welche Zusammenarbeit im Kollegium ist die Arbeit und Entwicklung des Fremdsprachenlehrers getragen? 

Ein zweiter Spannungsbogen verwirklichte sich bereits am ersten Abend, als auf die gedanklichen Inhalte die Kunst folgte: Studierende der Freien Hochschule Stuttgart präsentierten das von Sarah Kane einstudierte englische Stück "The Drama 100" von Daniel S. Burtin in beeindruckend spannendem Zusammenspiel. Diese für den Fremdsprachenunterricht entscheidende Polarität zwischen gedanklich-inhaltlicher Arbeit und künstlerischer Vertiefung bestimmte den weiteren Verlauf der Tagung: Hatten Peter Lutzker zur "Kreativität", Alan Maley zur "Unvorhersagbarkeit des Lernprozesses" und Gilberte Dietzel zum "Weg der Menschenkunde durch die Oberstufe" inhaltliche Impulse gesetzt, so nutzten alle Teilnehmenden die jeweils zweistündigen Arbeitsgruppen zur künstlerisch-tätigen Vertiefung. 

Eine Herausforderung für alle Teilnehmer waren die vier großen Plena zu Kernfragen und Hintergründen des Fremdsprachenunterrichts: Wie differenziere ich meine Ziele als Sprachlehrer in der Unter-, Mittel- oder Oberstufe? Wie geschieht die "Beheimatung" in der fremden Sprache? Wie kann sich die lebendige Geistigkeit der Sprache mit dem Menschen verbinden? Welche Forschungen gibt es zu diesem Prozess, und welche Lehrerhaltung wäre eine forschende? Wie erfassen wir die Geistigkeit einer Sprache? 

Zu diesen Fragen schlug Nicolai Petersen einen weiteren Spannungsbogen in seiner Betrachtung dreier Ebenen: die Muttersprache, die im Dialekt in ihrer ganzen Lebendigkeit und Geistigkeit aufgenommen wird, als Ausdruck des Geisteslebens; die Hochsprache, die in ihrer generellen Gültigkeit schon einen Grad fremder geworden ist, als Ausdruck des Rechtslebens; bei der Sprache der Wirtschaft, der es um schnellen Informationsaustausch geht, spielen Gesichtspunkte der Qualität oder Ästhetik kaum eine Rolle. Die Stufen der Sprachqualitäten zwischen dem mehr luziferisch inspirierten Aufleben in Klang, Schönheit und Bewegung und dem mehr ahrimanisch inspirierten Nutzen in der technisch-medialen Informationswelt wurden hier erlebbar. Die menschliche Mitte zwischen dieser Polarität tauchte im Laufe der Tagung immer bewusster auf: Ohne die Liebe zur Sprache kann man sie nicht erlernen, kann man sich nicht in ihr beheimaten, kann man sie nicht unterrichten.

In der abschließenden Betrachtung der beiden Sektionsleiter Florian Osswald und Claus-Peter Röh standen die "Menschenkunde der methodischen Umkehrpunkte", die "Fremdheit der Sprache" und die Aufgabenstellungen für die Zukunft im Mittelpunkt: die Fortsetzung der menschenkundlichen Arbeit mit und an der Fremdsprache; der Aufbau einer neuen, weiterführenden, tragenden Kollegialität; die Fortsetzung der Arbeit kollegial, regional und international.

(Gekürzte Fassung des Beitrags im "Goetheanum" Nr. 16/2013)


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