News from the Goetheanum

Gastspiel: "Der Parasit” von Friedrich Schiller

Created by Sebastian Jüngel |
Am 12. Oktober zeigte ein Schauspielensemble um Regisseur Andreas Heinrich das Lustspiel "Der Parasit" von Friedrich Schiller als ein Stück von frappierend aktueller Thematik: vom Profiteur der Leistungen anderer.

Alles dreht sich im Haus von Minister Narbonne um Selicour. Er ist der Einzige, der weiß, was er will, obwohl er gar nicht beherrscht, was er vorspielt zu können. Doch versteht er es, sich zur Projektionsfläche der Stärken anderer zu machen, seien es in Fragen der Liebe die Verse des jungen Karl oder für den nächsten Karriereschritt der Sachverstand von dessen Vater Firmin. So einfach das Lustspiel "Der Parasit" von Friedrich Schiller auch gestrickt ist, so frappierend ist, wie präsent der Charaktertyp des Selicour auch heute noch ist.

Regisseur Andreas Heinrich arbeitet die Einseitigkeiten der Protagonisten grotesk-karikaturenhaft heraus, durch die Musik atmosphärisch verstärkt (Philipp F. Kölmel), was die Spielfreude des Ensembles in der Aufführung am Goetheanum vom 12. Oktober anheizt, auch die letzte Klarheit deutlich zu betonen. Durch die Übertreibungen werden jedoch die offenbaren Schwächen der Protagonisten erträglich, und es fällt leichter, lachend sich selbst in diesem Umfeld des Selicour zu erkennen.

Zart und gefühlvoll machen die Farben der Kostüme (Gerlinde Baravalle) auf die wahren Werte der Protagonisten aufmerksam: Der feurige La Roche, der aus Rache Gerechtigkeit werden lässt, strahlt in warm-roter Weste, der idealistische Karl trägt fliederfarbenes Hemd und Tuch, passend zum rosa Kleid seiner selbstbewussten Charlotte, die eigentlich Staatstragenden Narbonne und Firmin tragen hellblau, Selicours Farbe ist grün.

Die Stärke Selicours wird zur Schwäche, als sich die anderen füreinander und die Zusammenhänge interessieren: Selicour scheitert, als ihm ein Misserfolg vorgespielt wird und er sich schlagartig vom Werk Firmins distanziert – womit Selicour blamabel enttarnt ist. Es folgen Karrieresprung für Vater Firmin, Liebesglück für Karl und Charlotte und die Moral Schillers: «Der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne.» 

Aufführungen: [Link]


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