News from the Goetheanum

Bologna liegt beidseitig des Ärmelkanals

Created by Christian Römelin |
Ein neues Masterprogramm für Europa – Inauguration des Campus Solothurn am Goetheanum

Lebenslanges Lernen ist heute zur Selbstverständlichkeit geworden, wie auch die Notwendigkeit, Ausbildungen international zu verankern. Europa hat das erkannt und das Bologna-Modell entwickelt. Die Initiative für Praxisforschung "ipf" feierte zwei Tage am Goetheanum in Dornach und in Solothurn, ausgehend von den bereits mit Erfolg umgesetzten MA-Studiengängen der Universität Plymouth, die Inauguration eines neu entstehenden „Campus Europa“.

Die ipf, Initiative für Praxisforschung hat am Freitag, 20. und Samstag, 21. Oktober 2006 zu einer Tagung am Goetheanum in Dornach und in Solothurn eingeladen, zur „Inauguration Europäischer Campus – ein neues Masterprogramm für Europa“. Namhafte Vertreter der europäischen Bildungsszene fanden sich, um den Anlass zu würdigen.

Perspektiven für zeitgemässe Masterstudiengänge

Die Vorstellung dieser gemeinsamen Innovation von ipf aus Solothurn in Kooperation mit der University of Plymouth in Grossbritannien stand im Mittelpunkt des zweitägigen Festaktes. Co-CEO von ipf, Thomas Stöckli, erklärte: "Es geht uns um die Anbindung der akademischen Forschung an die Praxis. Wir praktizieren das bereits in unserem zweiten Master-Studiengang erfolgreich. Die University of Plymouth hat mit dem IMP-Programm für uns ein gutes Modell entwickelt, unsere Studenten sind begeistert - und die externen Prüfer beeindruckt von der hohen Qualität der Forschungen."

Viel Initiative und starke Zusammenarbeit

„Das Herz des Masterprogrammes ist die Zusammenarbeit“, sagte Dr. Gordon Taylor. Er ist Dekan der pädagogischen Fakultät der Universität in Plymouth. Diese bietet seit vielen Jahren einen Studiengang (Bachelor-Abschluss) für Waldorfpädagogik an und hat sich im Bereich praxisorientierter Forschung für Schulen international profiliert. Thomas Stöckli und Urs Hauenstein (ebenfalls Co-CEO von ipf), haben mit Gordon Taylor das Buch „Perspektiven für zeitgemässe Masterstudiengänge verfasst, das anlässlich dieser Inauguration herausgekommen ist und dafür die akademische und bildungspolitische Grundlage bildet. 

Bologna-Reform

Es handelt sich um einen Studiengang, der in England seit 1992 erfolgreich umgesetzt wird und immer mehr den Weg in den deutschsprachigen Raum Europas findet. Es ist die Umsetzung der Bachelor (BA-) und Master (MA)-Studiengänge gemäss Bologna-Reform, deren Namen auf die erste Universität Europas hinweist, die vor 940 Jahren, also anno 1066 gegründet wurde. Die Bologna-Reform wurde am 19. Juni 1999 von 29 europäischen Bildungsministern und Bildungsministerinnen unterzeichnet. Ihr Ziel ist es, bis 2010 einen europäischen Hochschulraum (EHR) zu schaffen und die Europäische Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Stichworte dazu sind Mobilität , internationale Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit. Die Grundlage dazu ist ein intaktes und harmonisches Bildungswesen.

Kanton Solothurn ist dabei

Andreas Brand, Chef des Mittel- und Hochschulamtes des Kantons Solothurn richtete Grüsse von Regierungsrat Klaus Fischer aus, dem Vorsteher des Departementes für Bildung und Kultur. Mit seinen guten Wünschen für den Erfolg eines solchen Campus- Aufbaus verband er auch die Einladung an ipf, ein entsprechendes Gesuch an die Qualitätsbehörden in der Schweiz zu stellen (ipf hat zwar bereits alle nötigen Qualitätsüberprüfungen von den nationalen englischen Behörden durchlaufen, diese sollten nun entsprechend auch für die Schweiz dokumentiert werden. Die Professorin Astrid Eichenberger, Mitglied der Hochschulleitung der Fachhochschule Nordwestschweiz, denen die Kantone Aargau, Baselstadt, Baselland und Solothurn angehören, sagte: „Was mich hier her bringt, sind die Menschen hier, die ipf, die Initiative für Praxisforschung. Wir haben ein gemeinsames Ziel. Ich möchte den Verantwortlichen für ihren Mut und den Erfolg gratulieren, dass über den Kanal bis Dornach eine Zusammenarbeit zu Stande gekommen ist.“ Und weiter betonte Astrid Eichenberger: „Ich möchte einen Support für die Masterstudiengänge anbieten.“ Bezugnehmend auf das Tutorensystem, wie dies im europäischen Studiengang der Uni Plymouth angelegt ist, zitierte die Professorin der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Studie der ETH und Universität Zürich: „Die Förderung der sozialen Ressource im Verlaufe des Studiums bedingt ... die Erleichterung und Stimulierung der Kontaktnahme durch ein gewisses Ausmass an gemeinsam verbrachter Zeit als eine Art ’Klassenstunde’. Die immer wieder vorgetragenen Argumente zugunsten der sozial-integrativen Funktion von Tutoraten in der Studieneingangsphase erhalten hierdurch eine weitere, gesundheitsfördernde Begründung.“ Astrid Eichenberger betont: „Die Modulisierung biete die Chance der Vielfalt, aber auch die Gefahr von Anonymisierung. Deshalb brauche es überschaubare Lerngruppen.

Donnnerstagskonferenz

Professor Dr. Hans –Werner Kuhn, Dissertations Tutor der Masterstudiengänge und an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau tätig, beglückwünschte ipf zum Mut, mit der permanenten Weiterbildung und der Selbstreflexion praktizierenden Lehrkräfte ernst zu machen. Das Thema griff dann Prof. Hanns-Fred Rathenow auf. Rudolf Steiner habe eine Rückkopplung der Lehrkräfte vorgeschlagen, die Reflexion an der wöchentlichen Donnerstagkonferenz. Ein gemeinsames Bewusstsein sei wichtig. Dank dem Studienkonzept der Universität Plymouth werde Fachidiotie verhindert und das Ständebewusstsein aufgebrochen. Viele können sich ein Beispiel an der britischen Insel nehmen. „Das Konzept dieser Masterstudiengänge hält die Qualität und kann sich mit anderen Universitäten im englisch- und deutschsprachigen Raum messen.“ Und: Schon Goethes Faust habe das Studium Generale angestrebt.

Vor 100 Jahren

„Gerade 100 Jahre sind es her. 1906 war es, als Rudolf Steiner sich zum ersten Mal über Erziehungsfragen geäussert hat und die Keimzelle zur Waldorfpädagogik gelegt hat. 13 Jahre später fand die Gründung der ersten Waldorfschule statt.“ Das erklärte Robert Thomas, Koordinator ARGE, Arbeitsgemeinschaft der Rudolf Steiner Schulen Schweiz und Liechtenstein und führte weiter aus: „Es ist die Frage, wie man sich mit Kindern auseinander setzt und sie begleitet. Wer mit Kindern arbeitet, muss Gesetze kennen. Nicht Forderungen und Programme sollen aufgestellt, sondern die Natur des Kindes erfasst werden. Das wird in vielen Waldorfschulen weltweit praktiziert, in der Schweiz sind es deren 36.“ Diese Schulen stehen demzufolge zur Verfügung für die Praxisforschung.

Dazu sagte Astrid Eichenberger in ihrer Ansprache: „Nur Dozierende, die wissen, welche Leitideen ihre Kolleginnen und Kollegen haben, können die interdisziplinäre Ausrichtung wahrnehmen. Da können wir viel von der anthroposophischen Pädagogik lernen.“

Was die Zukunft bringt

„Shakespear’s Hamlet sprach zur Ratio: Wie komme ich zum Geist? Die Ratio antwortete: Heisse ihn willkommen.“ Geist charakterisierte Paul Mackay, Vorstand am Goetheanum, als das „Sinnstiftende“. „Das Goetheanum ist draussen in der Welt. Es ist nicht wichtig, ob ich einen Badge habe, wo Anthroposophie drauf steht, sondern wie die Haltung in meinem Herzen ist.“ Dann stellte er die Frage ins Plenum, wie können wir voneinander lernen?

Christoph Wiechert, Leiter der Pädagogischen Sektion der Freien Hochschule am Goetheanum fragte ebenfalls: „Was ist ein Lehrer? Was ist er im Leben ausserhalb der Schule? Das ist sehr wichtig für seine Aufgabe, das ist existenziell. Meine Hoffnung ist, dass die Qualität dieser Ausbildung wirklich die Kinder erreicht.“

Perspektivenwechsel

Auch Sripriya Sitaraman, Education Manager, British Council Switzerland in Bern bemerkte: „Wichtig ist, dass sich die Kulturen gegenseitig befruchten, denn wir leben in einer Welt, wo das Nationale in den Hintergrund tritt und das Globale kommt. British Council ist eine unabhängige internationale Organisation im Bereich Erziehung und Kultur. Sie ist weltweit in 109 Ländern vertreten. Sie entdeckte bei ipf so viele Gemeinsamkeiten mit den Anliegen des British Council, dass sie der Hoffnung Ausdruck gab, dass sich daraus gemeinsame Initiativen ergeben können

Dr. Gordon Taylor der Universität Plymouth betonte in seiner Rede, dass der Perspektivenwechsel angesagt sei. Aus der Sicht des Kindes, mit Kreativität den Lehrern zu zeigen, dass es andere Welten gibt. „Es braucht ein neues Wissen, um zu dozieren. Dazu müssen sich Lehrer und Schüler im Klassenzimmer vereinen, als gemeinsame Investition. Wenn der Lehrer ins Klassenzimmer kommt, muss er sehr flexibel werden.“

Leidenschaft und Verbindung

„Waldorflehrer verfügen über Leidenschaft und Verbindung zu ihren Schülern“, bemerkte Dr. David Parker. Er ist Leiter der europäischen MA-IMP-Studiengänge (IMP; Integrated Master Programm) der Universität Plymouth. „Unser Masterstudiengang wird von vielen geliebt.“ Das sehe er und seine Kollegen bei den Reisen durch Europa, denn statt nur die Universitäten als Stätten von Experten anzusehen, werden in diesem Studiengang eben die Schulen selber als die Orte verstanden, an welchem das Expertenwissen generiert wird. “Ich war sehr beeindruckt, als ich in Solothurn sah, wie weit fortgeschritten die Masterstudiengänge sind.“

Und Professor Hanns-Fred Rathenow, externer Prüfer der Masterstudiengänge und an der technischen Universität in Berlin tätig, hält fest: „Der Blickwinkel von ausserhalb ist wichtig, um auf dem Boden zu bleiben“, dabei verwies er auf die Worte seines Vorredners, Christoph Wiechert: Wie weit reflektieren Praktiker ihre Praxis? Fragen beginnen mit Problemen und die Wissenschaft beginnt dort. Wir wissen viel zu wenig, was in den Klassenzimmern passiert. Es gilt die Berührungsängste zwischen der Wissenschaft und Anthroposophie abzubauen. Aufklärung tut not.“

Milestone

Urs Hauenstein, Co-CEO ipf blickt zurück. „Wir sind all diese Jahre durch viele Qualitätsprozesse auf allen Ebenen gegangen. Seit Beginn der Zusammenarbeit wurde auch an der rechtlichen Vereinbarung von der Universiät Plymouth und ipf gearbeitet, heute ist es soweit, dass das 65seitige Vertragswerk unterzeichnet werden kann.“

Die Studiengänge werden berufsbegleitend durchgeführt und sind nicht an einen Präsenz-Ort gebunden. Sie basieren auf praxisforschenden Methoden und sind nicht nur inputorientiert. Sie haben einen modularen Aufbau und ermöglichen verschiedene Abschlüsse nach einzelnen Modulen. Die Studierenden werden von ausgebildeten Tutoren individuell unterstützt. Neben den beiden bereits laufenden Studienkursen für Erziehung, hat im Herbst 2006 der Studiengang „MA Education and Social Care / MA Special Educational Needs“ begonnen und ein „MA Social Banking and Social Finance“ ist auf Januar 2007 vorgesehen.


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Events range from lectures on special themes, to large, international conferences, to performances by  ensembles and guest performances in Eurythmy, theater, puppetry and music. 

Situated in the Jura landscape, 10 Kilometers South of Basel, the Goetheanum sits grand on the Dornach hill, with its expressive architecture and picturesque garden park, café, bookstore and gift shop.