News from the Goetheanum

Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft: Mitgliedertag

Created by Wolfgang Held |

Er könne sich nicht vorstellen, wie es sich anfühle, in sich die Pflicht zu spüren, Rudolf Steiner zu verteidigen. Das äußerte ein Teilnehmer in einer der Arbeitsgruppen am Mitgliedertag am 9. November am Goetheanum. Weil er mit dieser Beschreibung keinen Vorwurf, keinen Hintergedanken verband, begannen einige im Kreis, ihm von ihrem anthroposophischen Pflichtgefühl zu erzählen. Es entstand ein Gespräch, wie es in dieser Frage bisher kaum möglich war. 

Das ist eines von zahlreichen Beispielen vom Mitgliedertag, dass es gelungen ist, aus einem bisher von Sprache gefüllten Raum einen Hörraum werden zu lassen. Dazu trug bereits die Einleitung von Justus Wittich bei. Es war weniger seine Ansprache als vielmehr sein Geschick, die 150 angereisten Mitglieder daran teilhaben zu lassen, was er vernommen hatte – sein Hörraum wurde zum gemeinsamen Hörraum. "Augenscheinliche Unvoreingenommenheit mit überzeugender Herzlichkeit" hat es Jostein Saether in seinem Internetkommentar charakterisiert. Die meisten Voten halfen nun, diesen Hörraum weiter zu entfalten, und zugleich zeigte sich umso deutlicher, dass jemand der am Pult stand und sich dabei selbst wenig beobachtet, sich nicht zu hören vermag. 

Drei aktuelle Konfliktfelder wurden besprochen: die Frage der Stigmatisation, die Entscheidungswege beim Goetheanum-Bauprozess und das Verhältnis zu Rudolf Steiner anlässlich der kritischen Ausgabe. Auf allen drei Gebieten kam trotz vieler Stunden Austausch nicht viel inhaltlich Neues heraus. Es gab kaum Anwesende, die das beklagten. Vielmehr spürten wohl alle, dass der Bau dieses fragilen Hörraumes der eigentliche Erfolg war. Es ist ein Raum, in dem man das Vertrauen haben kann, auch dann wahrgenommen zu werden, wenn man inhaltlich nicht ganz übereinstimmt. 

Ausgehend von Rudolf Steiners drei Stufen der Wahrnehmung eines anderen Menschen hat vor einigen Jahren Claus Otto Scharmer mit der Charakterisierung von "faktischem", "empathischem" und schließlich "schöpferischem" Hören den Boden, die Seele und schließlich den Himmel eines Hörraumes beschrieben. Dieser Himmel wird sich auch über die Anthroposophische Gesellschaft spannen, auch und gerade dort, wo Konflikte bestehen, wenn es gelingt, die andere, widersprechende Haltung nicht nur zu dulden, sondern um der eigenen Entwicklung willen verstehen zu wollen.

Vorabdruck aus "Anthroposophie weltweit" Nr. 12/2013


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Goetheanum –
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The Goetheanum is the headquarters for the School of Spiritual Science and the General Anthroposophical Society. The School of Spiritual Science with its eleven sections is active worldwide in research, development, teaching, and the practical implementation of its research findings and is supported by the Anthroposophical Society.

Events range from lectures on special themes, to large, international conferences, to performances by  ensembles and guest performances in Eurythmy, theater, puppetry and music. 

Situated in the Jura landscape, 10 Kilometers South of Basel, the Goetheanum sits grand on the Dornach hill, with its expressive architecture and picturesque garden park, café and a bookstore.