Brief des Vorstands (5) – 28. September 2018

Verehrte, liebe Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft

Mit diesem weiteren Brief möchten wir uns zu Beginn des neuen Arbeitsjahres als Vorstand direkt an Sie wenden und Ihnen in alle Welt einen herzlichen Gruß vom Goetheanum aus zurufen.

‹Worauf bauen wir?› ist unser Motiv der diesjährigen Beschäftigung mit dem durch Rudolf Steiner in die Menschen gelegten Grundstein der Anthroposophischen Gesellschaft. Mit diesen Fragen der inneren Gesinnung und ihrem Ausdruck in den Lebensbedingungen der Gesellschaft sind wir zurzeit intensiv beschäftigt.

Wir haben uns nach Klärung und Neuordnung der Verhältnisse am Goetheanum bis zum Juli 2018 noch einmal bewusst als Vorstand entschieden, die durch das Votum der Mitglieder entstandene Herausforderung zu viert anzunehmen. Mit Fragen einer möglichen Ergänzung werden wir uns erst nach der nächsten Generalversammlung und der Auswertung der gemachten Erfahrungen befassen. Viele Fragen der Führung des Goetheanum und der Weltgesellschaft werden zudem im größeren Gremium der Goetheanum-Leitung beraten und mitgetragen. Sprecher der Goetheanum-Leitung sind für das kommende Arbeitsjahr Constanza Kaliks (für den Vorstand) und Stefan Hasler (für die Sektionsleiter).

Zuletzt haben Sie von uns einen ausführlichen Sommerbrief zur finanziellen Situation des Goetheanum erhalten (‹Anthroposophie weltweit› Nr. 9/2018). Er macht die gegenwärtige Lage deutlich. Hier sind wir für das Wirken der Kunst und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft im Sinne Rudolf Steiners dringend auf Ihre Anteilnahme und Ihren aktiven Mitträgerwillen angewiesen. Die ersten positiven Unterstützungen und Spenden von Ihnen erreichen gerade das Goetheanum. Wir hoffen sehr auf Sie, damit das Goetheanum aus diesem gemeinsamen Strom im kommenden Jahr ohne größere Einschnitte weiter tätig sein kann.

Bei den Reisen der Vorstandsmitglieder in den letzten Monaten – jeweils auf Einladung  – war in den Begegnungen mit Mitgliedern, Zweigen und Einrichtungen besonders die große Verschiedenheit eindrücklich, mit der die Frage nach einer Erkenntnis der in der Welt lebenden Geistigkeit brennt. Und dass sie trotz dieser Unterschiedlichkeit verbindend wirkt.

Aufgrund dieser Erfahrungen werden wir uns als Vorstand um die Entwicklung einer Gesinnung in der Anthroposophischen Gesellschaft bemühen, die diese unterschiedlichen Arbeitsformen und Zugänge zur Anthroposophie nicht nur toleriert, sondern in ihnen die lebendige Wirklichkeit des Geisteslebens bejaht. Nur dann können wir «eine Versuchsgesellschaft des Allgemein-Menschlichen» sein und zu wesentlichen Zivilisationsfragen der Gegenwart beitragen. Gefragt ist der Wille, sich für diese individuellen Seins- und Lebensformen zu interessieren, sie in ihrer Unterschiedlichkeit zu erkennen und dadurch eine Gesinnung für die Pflege eines menschenwürdigen Seelenlebens zu entwickeln.

Für die hier geschilderten Anliegen des Vorstandes ist der persönliche Kontakt zu Mitgliedern, Zweigen, Gruppen auf sachlichem Feld, Landesvertretern, Generalsekretären und Verantwortungsträgern eine zentrale Aufgabe – an einigen Orten ist er bereits intensiv entwickelt, an anderen möchten wir ihn gern neu ergreifen.

In der Vorstandsklausur und in der Zusammenkunft der europäischen Generalsekretäre und Landesvertreter in Warschau (PL) haben wir uns unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie die Mitglieder weltweit mehr in Entscheidungsprozesse der Gesellschaft einbezogen werden können. Der Wunsch und die Notwendigkeit, einen Schritt in diese Richtung zu gehen, ist an der Zeit und beschäftigt uns sehr. Von den verschiedenen Möglichkeiten, die auch Fragen der Konstitution berühren und die miteinander besprochen und erwogen werden müssen, werden Justus Wittich und Gerald Häfner in ‹Anthroposophie weltweit› berichten.

Für Ihre Unterstützung, Ihr Interesse und Ihre Teilnahme am Geschehen im Goetheanum als Freie Hochschule für Geisteswissenschaft und als ein Haus der Anthroposophie, der Kunst und weltweiten Begegnung möchten wir Ihnen, liebe Mitglieder, sehr herzlich danken. 

Vorstand am Goetheanum
Justus Wittich, Joan Sleigh, Constanza Kaliks und Matthias Girke