1923-1925 Neustrukturierung und Vertiefung. Neugründung der Anthroposophischen Gesellschaft

<b>Elisabeth Vreede (1879-1943)</b>

1923/1924 Während der Weihnachtstagung vom 24. Dezember 1923 bis zum 1. Januar 1924 wird die Anthroposophische Gesellschaft neu gegründet. Rudolf Steiner bildet einen Initiativvorstand mit Albert Steffen, Marie Steiner, Ita Wegman, Elisabeth Vreede, Guenther Wachsmuth und übernimmt selbst den Vorsitz.
Gleichzeitig richtet er als Mittelpunkt spiritueller Wirksamkeit die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft ein mit Forschungs-Abteilungen (Sektionen) in den Bereichen: Allgemeine Anthroposophie, Pädagogik, Medizin, Redende und Musizierende Künste, Schöne Wissenschaften, Mathematik und Astronomie, Naturwissenschaft und Bildende Künste. Später kommen noch Sektionen für Sozialwissenschaften, Jugend und eine landwirtschaftliche Abteilung hinzu.
Der neue Goetheanumbau soll der Mittelpunkt dieser weltweiten Arbeit werden. Rudolf Steiner entwirft für diesen Bau ein Aussenmodell.
Die bisher nur für Mitglieder zugänglichen Nachschriften von Vorträgen Rudolf Steiners sind nun öffentlich zugänglich. Organ der Anthroposophischen Gesellschaft wird eine Beilage „Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht“ zu der seit 1921 wöchentlich erscheinenden Zeitschrift „Das Goetheanum“.

Werner Pache, Franz Löffler, Ita Wegman, Sigfried Pickert und Albrecht Strohschein (v.l.n.r.) – Pioniere anthroposophischer Heilpädagogik.

1924 Durch Kurse Rudolf Steiners auf Bitten verschiedenster Interessenten- und Berufsgruppen entstehen weitere Kulturinitiativen: u.a.: biologisch-dynamische Landwirtschaft mit ökologischen und sozialen Bedingungen für eine Zukunft der Landwirtschaft, anthroposophische Heilpädagogik mit Perspektiven für die Therapie, das Leben und Arbeiten mit Menschen mit Behinderung und durch den „Dramatischen Kurs“ im September 1924 wird eine Erweiterung des Schauspiels und der Sprachkunst ins Auge gefasst.

1925 Durch eine intensive Vortragstätigkeit 1924, die "Anthroposophischen Leitsätze" und "Michaelbriefe" (GA 26) kommt eine Neuformulierung der Anthroposophie zustande.
Rudolf Steiner stirbt nach sechsmonatigem Krankenlager am 30. März 1925. Die durch ihn angelegte Neustrukturierung der Anthroposophischen Gesellschaft bleibt fragmentarisch.

Das erste heilpädagogische Heim, der 1924 gegründete "Lauenstein" bei Jena

Beim „Heilpädagogischen Kurs“ im Sommer 1924 entwickelt Steiner Perspektiven für die Therapie, das Leben und Arbeiten mit Menschen mit Behinderung. Heute arbeiten ca. 550 heilpädagogische und sozialtherapeutische Einrichtung auf dieser Grundlage.

 

 

Wandtafelzeichnung Rudolf Steiners beim "Landwirtschaftlichen Kurs", Juni 1924

Seine Anregungen bilden den Ausgangspunkt der heute über 3500 Höfe, die nach biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise arbeiten. Dies heisst nicht nur biologische Herstellung von Lebensmitteln, sondern auch soziale und kulturelle Faktoren im Betrieb und in der Verwertung zu berücksichtigen.