1990 bis heute. Pluralisierung und Identitätsfragen

90er Jahre
Eine partielle Integration der anthroposophischen Ansätze und Initiativen in das allgemeine kulturelle Leben der westlichen Welt zeichnet sich ab. Seit 1989 werden Landesgesellschaften und anthroposophische Kulturinitiativen in Osteuropa und Russland gegründet, erste Tätigkeiten im asiatischen Raum.
Die Anfang des Jahrhunderts gestellten Fragen zum Selbstverständnis des Menschen sind heute zivilisatorische Grundproblematik: Sterbehilfe, Verlust der Kindheit, Gentechnik, ökologische Krise etc. sind nicht nur tagespolitische Themen, sondern auch Bestimmend für die Zukunft der menschlichen Existenz. Mit diesen Entwicklungen gehen Identitätsfragen in den anthroposophischen Einrichtungen, Gesellschaften und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft einher. 

Eine Rückbesinnung auf die Gründungsimpulse konturiert die Aufgabenstellung der Anthroposophischen Gesellschaft: durch Entwicklung eines originären „Bewusstseins seines Menschentums“ (Rudolf Steiner), d.i. durch Anthroposophie, Entwicklungsmöglichkeiten des Individuums für eine Zeit freizulegen, in der die Art der Behandlung von wissenschaftlichen, sozialen von Lebensfragen die Wirklichkeit des Menschen zu konstituieren begonnen hat. Schwerpunkte liegen dabei:

  • im Ausbau der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft mit ihrer Aufgabe, die geistige Durchdringung und Vertiefung der Lebenspraxis in der gegenwärtigen Zeitlage zu ermöglichen,
  • einen menschlichen Zusammenhang zu bilden, der ein Forum für Fragen innerer Entwicklung, Herausforderungen der Gegenwart und für zivilgesellschaftliche Initiative sein kann,
  • am Goetheanum ein dialogisches Zentrum einer kosmopolitischen Gesellschaft zu bilden.

Heute
Heute besteht die Anthroposophische Gesellschaft in 50 Ländern, Gruppen bestehen darüberhinaus in weiteren 50 Ländern. Weltweit arbeiten ca. 10000 Einrichtungen auf anthroposophischen Grundlagen.