Gestaltung der Übergangszeit bis Juni-Klausur 2018

Dornach, 13. April 2018 

Liebe Mitglieder, liebe Verantwortungsträger

Wie ist jetzt die Lage am Goetheanum? Und wie geht es nach dem ereignisreichen Jahrestreffen der Anthroposophischen Gesellschaft in der Woche vor Palmsonntag in Dornach weiter? Welche Folgen hat die von der Generalversammlung nicht bestätigte weitere Amtszeit der Vorstände Paul Mackay und Bodo von Plato?

Diese Fragen bewegen viele Mitglieder. Eine große Zahl von Botschaften aus aller Welt erreichen uns als Vorstand und Goetheanum-Leitung. Wir sind berührt von der intensiven Anteilnahme und Betroffenheit. Der menschliche Zusammenhang im Geschehen der Anthroposophischen Gesellschaft hat sich mit einem Mal stark erwärmt und verdichtet. Dasjenige, was sich Vorstand und Goetheanum-Leitung vorgenommen hatten, muss sich nun in der Arbeitsteilung verändern. Was wird in dieser neu entstandenen Situation möglich? Wir wollen offen an diese Lage herangehen und die Vorgänge für Sie als Mitglieder transparenter mitvollziehbar zu machen. Das dürfte auch die beste Antwort auf vereinzelt sich zeigenden Fraktionsbildungen, die berechtigten Sorgen über die weitere Entwicklung und die leider schnell kursierenden Verdächtigungen verschiedenster Art sein.

Nach einem intensiven und beeindruckenden Oster-Geschehen am Goetheanum (siehe weiter unten) waren naturgemäß große Erwartungen auf die erste danach stattfindende Sitzung der Goetheanum-Leitung (Vorstand und Leitungen der Hochschulsektionen) gerichtet. Am 10. April war es den Tag über unsere Aufgabe, aus den Ereignissen die ersten Konsequenzen zu ziehen und die gemeinsame Arbeit neu auszurichten.

Wir zogen in einem ersten Schritt nüchterne Bilanz: Was spricht sich in den Voten der Generalversammlung aus? Welche Fehler und Versäumnisse haben wir gemacht, und wo haben wir Entwicklungen nicht richtig eingeschätzt? Wo liegen Defizite in der Verständigung mit den Mitgliedern, wo waren Prozesse nicht nachvollziehbar? Diese Diagnose wollen wir noch weiter vertiefen. Wie steht es vor diesem Hintergrund um den gemeinsamen Willen in der Gesellschaft, den begonnenen Prozess der Neubesinnung für die Anthroposophische Gesellschaft, die Aufgabenstellung der Freien Hochschule und der Vornahme „Goetheanum in Entwicklung“ voranzubringen? Passen unsere Verfahren und Umgangsformen noch für eine anthroposophisch inspirierte Weltbewegung?

Als Ergebnis der Beratung am 10. April können wir festhalten: Vorstand und Goetheanum-Leitung akzeptieren selbstverständlich das Resultat der Abstimmung. Damit stehen wir vor der Tatsache, dass an einem Tag drei Vorstände – da Seija Zimmermann zugleich emeritierte – aus ihrem Amt ausgeschieden sind. Der Wille zur Zusammenarbeit in der Goetheanum-Leitung – deren gleichwertige Mitglieder seit 2012 die Vorstände und Sektionsleitende sind – ist durch diesen Verlust nicht betroffen. Wir werden noch mehr versuchen und uns anstrengen, mit unseren Intentionen vom Goetheanum aus möglichst alle Mitglieder zu integrieren.

Im Interesse der vielfältigen Arbeitszusammenhänge in der Freien Hochschule, der Anthroposophischen Gesellschaft und dem Goetheanum-Betrieb mit seinen Nebenorganisationen wollen wir jetzt eine begrenzte Übergangszeit ins Auge fassen, um die Zuständigkeiten neu ordnen zu können. Die eigentlichen Vorstandsverantwortungen von Paul Mackay und Bodo von Plato (sowie Seija Zimmermann) sind mit dem 24. März 2018 beendet und liegen seitdem bei den vier amtierenden Vorstandsmitgliedern (Justus Wittich, Joan Sleigh, Constanza Kaliks und Matthias Girke). Das für Paul Mackay vorgesehene und jeweils für ein Jahr bestimmte Sprecheramt für die Goetheanum-Leitung hat von Seiten des Vorstandes Constanza Kaliks neben Oliver Conradt übernommen.

Die zahlreichen von der Goetheanum-Leitung nach unserer Geschäftsordnung Paul Mackay beziehungsweise Bodo von Plato für drei Jahre (2016 bis Dezember 2018) übertragenen Aufgaben und Mandate im Haus, in Projekten, in verabredeten Tagungen und Arbeitszusammenhängen bleiben bis zu einer Klausur am 11. und 12. Juni 2018 bestehen und werden dann neu vergeben. Dies wird im Rahmen einer Neuordnung aller Mandatierungen erfolgen, die ansonsten erst mit der Dezember-Klausur 2018 an der Reihe gewesen wäre. Diesen Vorgang möchten wir in den kommenden Wochen sorgfältigen beraten und vorbereiten. Der Auftrag an Paul Mackay, die Anthroposophische Gesellschaft weiter im Verwaltungsrat der Weleda AG zu vertreten, ist durch den Vorstand am 10. April bestätigt worden.

Die Goetheanum-Leitung hatte zur Welt-Goetheanum-Konferenz Michaeli 2016 eingeladen. Daraus ist der Arbeitsstrom „Goetheanum in Entwicklung“ entstanden. Er will in den kommenden drei Jahren unsere Hochschule, die Anthroposophische Gesellschaft und die sachlichen Arbeitsfelder in der Welt stärker durchdringen und in einen fruchtbaren Zusammenhang bringen. Die Projekte, die unterwegs sind, um dieses Ziel zu erreichen, führen wir weiter. Dazu gehört namentlich auch das Ziel eines ausgeglichenen Finanzhaushaltes für das Goetheanum bis 2020. Zukunftsfähige Perspektiven für die Anthroposophie in der Welt und am Goetheanum sind weiterhin Kernaufgaben und Herzensanliegen der Goetheanum-Leitung.

Wie die Arbeit am Goetheanum unmittelbar nach dem bewegenden Geschehen der Generalversammlung öffentlich und im Bereich der Hochschule ohne Unterbrechung weiterging, lässt sich an zwei beeindruckenden Veranstaltungen ablesen: Das neue Format „Ostern am Goetheanum“ brachte neben Vorträgen und Einführungen unter anderem die konzertanten Aufführung des 3. Aufzuges von Wagners „Parzivals“ durch das Basler Sinfonieorchester unter Leitung von Sir Mark Elder und Verdis „Messa da Requium“ mit den Zürcher Symphonikern unter Leitung von Heinz Bähler. Es waren beide Konzerte ein großartiges künstlerisches Ereignis in der Begegnung öffentlicher Kulturleistung mit dem Goetheanum, das sehr viele interessierte Menschen in den jeweils fast ausverkauften Saal strömen ließ. Gleich in der folgenden Woche schloss sich die von drei Sektionen der Hochschule veranstaltete internationale Fachkonferenz der Eurythmisten, Sprachgestalter und Heileurythmisten mit bis zu 800 Teilnehmern aus 40 Ländern der Erde an. Sie belebte den Goetheanum-Campus mit freudigen Begegnungen und einer begeisternden Anzahl von Beispielen der künstlerisch-pädagogisch-therapeutischen Arbeit über die Welt hin.

In dieser Richtung hoffen wir zusammen mit Ihnen weiterhin vom Goetheanum aus die Wirksamkeit der Anthroposophie impulsieren und stärken zu können.

Für die Goetheanum-Leitung:
Justus Wittich und Ueli Hurter

 

Die getroffenen Entscheidungen in Kurzform

  1. Die Vorstandsverantwortung liegt seit dem 25. März 2018 ausschließlich bei Justus Wittich, Joan Sleigh, Constanza Kaliks und Matthias Girke.
  2. Constanza Kaliks übernimmt ab sofort neben Oliver Conradt das Sprecher-Amt für die Goetheanum-Leitung 2018/19.
  3. Bis zur Klausur am 11./12. Juni 2018 gilt eine Übergangszeit für alle anderen Mandate und Beauftragungen.
  4. Bei der Klausur werden alle Zuständigkeiten, Mandate und Delegationen neu zugesprochen.
  5. Paul Mackay vertritt die Anthroposophische Gesellschaft weiterhin im Verwaltungsrat der Weleda AG.