Finanzbericht zur Generalversammlung vom 27. März 2010

Wie jedes Jahr versuche ich Ihnen auch an dieser Generalversammlung die wichtigsten Entwicklungen und Tendenzen vorzustellen, die ich - ausgehend von den vielen finanziellen Daten - festgestellt und ausgewählt habe. Bei der zunehmenden Komplexität der Finanzen des Goetheanum wird diese Aufgabe von Jahr zu Jahr nicht gerade einfacher. Fast alle Aspekte des Lebens am Goetheanum werden eigentlich von den Finanzen berührt. Unter dem Stichwort „Transparenz“ könnte man mit einem wahrhaften Tsunami von Zahlen, Tabellen und Diagrammen überflutet werden, wobei aber gerade das verloren ginge, was wesentlich ist, warum es wesentlich ist und was sich wirklich sich im finanziellen Leben des Goetheanum ändert und entwickelt. So wichtig die Zahlen auch sind, die Prozesse und Annahmen, die ihnen zugrunde liegen, sind ebenso wesentlich. Also, was ist nun wichtig?

 

Es ist auf jedenfall wichtig, dass Sie eine ausreichende und genaue Information über die Änderungen der Aktiva und Passiva für 2009 bekommen, die sich in der Bilanz der Gesellschaft spiegeln, und erfahren, warum sich diese geändert haben. Es ist wichtig zu wissen, wie der Geldfluss verlief, wo die Kosten aufgetreten sind, wie sich diese im Vergleich zum Budget der Gesellschaft verhalten und wie sie sich in Bezug zum Vorjahr veränderten. Ebenso sollte man Einiges über die Stabilität der Einnahmequellen und –höhen erfahren. Waren die Einnahmen konstant im Vergleich von 2009 zu 2008? Die Gewinn- und Verlustrechnung gibt ein klares Bild darüber.

Es ist auch wesentlich, auf die zukünftigen Verpflichtungen im Verhältnis zu denen der letzten Jahre und zum Budget von 2010 zu schauen. Das Budget ist ein Massstab und ein Hinweis für die Initiativen und Aktivitäten, die wir in diesem Jahr 2010 in Angriff nehmen möchten.


Auch von unseren Überlegungen und Plänen, unseren Sorgen und Freuden sollen Sie hören – über die unerwarteten Schwierigkeiten, die unvermeidlich auftauchen und über die in jedem Jahr eintretenden erfreulichen Ereignisse finanzieller Natur. Womit wird das Goetheanum in Zukunft konfrontiert sein und was sind die voraussichtlichen Verpflichtungen? Wie sollen wir bei der Planung vorgehen? Hat die Gesellschaft genügend Kraft, diese Projekte durchzuführen, und wenn nicht, welche können wir weglassen oder verschieben und welche sind unumgänglich? Mit Fragen dieser Art möchte ich anfangen.


Letztes Jahr habe ich ein nüchternes Bild der Finanzsituation des Goetheanum vorgestellt. Auch dieses Jahr muss ich ein nüchternes Bild geben. Manche sagen, es sei wichtig, schlechte Nachrichten auf positive Weise vorzutragen. Ich glaube, dass es wesentlich ist, klare Informationen zu übermitteln, damit das Gemeinte richtig und die Folgen des Gesagten verstanden werden können.


In den letzten zehn oder mehr Jahren konnte das Goetheanum irgendwie zu Rande kommen. Wir haben selbstverständlich nicht alles machen können, was wir wollten oder sogar, was notwendig gewesen wäre – das Geld hat oftmals nicht gereicht. Ich beschrieb ausführlich letztes Jahr, wie die Mitgliedschaft weltweit und entsprechend auch die Summe der Mitgliederbeiträge in den letzten Jahren abgenommen haben. Dies war in erster Linie durch den notwendigen Klärungsprozess des Mitgliederstatus in den Landesgesellschaften bedingt. Die Klärung war- und ist- ein Gesundungsprozess und bereits überfällig, aber es betrifft unmittelbar unsere Einnahmen.


Die Finanzierung von zentralen Projekten (wie z.B. die Mysteriendramen und anderen Initiativen) ist ermutigend, wurde aber verständlicherweise vor allem durch die Mitglieder in Deutschland, in der Schweiz und in den Niederlanden getragen. Für alle die Vorhaben und - in Anbetracht der Grösse des Goetheanum - ist jedoch die Höhe der laufenden Einkünfte ungenügend. Anders gesagt, für die Vorhaben und die Grössenordnung der weltweiten Mitgliedschaft sind die laufenden Kosten am Goetheanum zu hoch und zu teuer. Hier liegt, meines Erachtens, eine „inconvenient truth“, eine „unbequeme Wahreit“.


Die Grundkosten des Goetheanum haben, wenn auch in bescheidenem Masse, während der vergangenen zehn Jahren zugenommen. Ich habe die Ursachen auch letztes Jahr dafür bereits geschildert – zum Beispiel die Ausweitung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, Infrastrukturkosten, Informationstechnologie und deren Unterhalt, Energie und Ausrüstung, Änderungen in der Art der jährlich 700 Veranstaltungen, Pensionsverpflichtungen usw. Kurz, die Kosten sind gestiegen und die sicher zu erwartenden Einnahmen haben abgenommen. Es darf vermerkt werden, dass die Spenden und Schenkungen über die Jahre im Wesentlichen auf dem gleichen Niveau blieben. Wenn jedoch die GesamtKosten schneller wachsen als die Einnahmen, dann treten mit der Zeit offensichtlich Schwierigkeiten auf. So schwierig ist es nicht, das Problem nachzuvollziehen.

Um das noch klarer zu machen, sieht man, dass der Gesamt Betriebsertrag in 2000, 19,309 Mio. CHF betrug. In 2009 waren es 19,474 mit einem 10-Jahres-Durchschnitt von 20,726 Mio. CHF. Unser Betriebsaufwand in 2000 lag bei 20,132 und 2009 bei 21,074 Mio. CHF. Der 10-Jahres-Durchschnitt war 22,693 Mio. CHF. Die durchschnittliche Differenz zwischen beiden liegt bei fast minus 2 Mio. Diese 2 Mio. deuten klar auf unsere eigentliche Finanzproblem hin.


In den letzten vier Jahren haben wir die budgetierten Einnahmen aus Legaten von 2,4 Mio. bis auf 500 TCHF für 2010 reduziert. Das sind 1,9 Mio. weniger Einnahmen die wir budgetiert haben -allein aus den Nachlässen! Dies war meiner Meinung nach unbedingt notwendig, stellt aber eine echte Herausforderung dar. Kein leichter Fall! Man kann nicht einfach 1,9 Mio. aus einem Budget von 20 Mio. herausnehmen – das sind ja fast 10% -, ohne dass dabei praktische, reale Konsequenzen auftreten. Die tagtägliche Arbeit in allen Bereichen wurde stark eingeengt. Wir haben die Effizienz vergrössert, Arbeit zusammengelegt, in einer Anzahl von Situationen haben wir in den Ruhestand tretende Mitarbeiter nicht ersetzt. Wir haben das Gesamtbudget von 2009 bis 2010 um 1,8 Mio. oder 8% verringert. Das war in den letzten Monaten ein intensives und nicht leichtes Unterfangen.


Aber wir müssen noch einen weiteren Schritt machen, einen eindeutigen Schritt für die Zukunft, da es notwendig sein wird, unser Budget für 2011 weiter zu reduzieren. Um dies mit Kraft und Überzeugung zu ergreifen, haben wir neulich begonnen uns vorzustellen, welche Massnahmen dafür in Frage kommen könnten und was dies für das Goetheanum bedeuten könnte. Ziemlich sicher wird dies zu wesentlichen Änderungen führen.

Wir haben vorgeschlagen, zusätzlich zur Budgetreduktion, die wir für 2010 schon vorgenommen haben, eine weitere Verminderung um zusätzliche 1,7 Mio. für das nächste Jahr vorzusehen. Das heisst, unser Budget wird in zwei Jahren um 3,5 Mio. CHF oder etwa 16% gekürzt.

Dieser „Goetheanum Prozess“ wurde schon früher erwähnt und beinhaltet einen umfangreichen und konsequenten Bildgestaltungs- und Bearbeitungsprozess mit 7 Gruppen, die sich aus Vorstandsmitgliedern, Sektionsleitern, Bereichsleitern und Mitarbeitenden zusammensetzen und die Haupttätigkeiten und Aufgabenbereiche des Goetheanum decken. Nach Durchführung dieses Prozesses bis Ende 2010 werden wir, hoffe ich, das Goetheanum in eine Lage gebracht haben, die den tatsächlichen erwarteten Einnahmen, finanziell gesagt, entspricht. Wir werden dabei manche Initiativen und Aktivitäten ändern, reduzieren oder neu organisieren müssen. Das sind bedeutsame und wesentliche Schritte in Bezug auf das finanzielle Leben und die Gesundheit des Goetheanum. Es geht hier, wie Sie sehen, nicht nur um Geld, auch wenn das die Auslöser ist, sondern unsere um Zusammenarbeit, Aufgaben und um unsere Zukunft.

In Juni werden die einzelnen Empfehlungen während unserer jährlichen Klausur diskutiert und bewertet und gegebenenfalls bestätigt. Wir werden uns auf die Implementierung und deren Konsequenzen so vorbereiten, dass sie sich bis hin zur Budgetierung von 2011 adäquat widergespiegeln können.

Was sich dadurch genau ändern wird, können wir heute noch nicht sagen, da wir erst neulich begonnen haben, uns verschiedene Bilder zu machen und Szenarien zu entwerfen. Wir müssen viele verschiedene Alternativen und Zukunftsbilder, auch radikal geänderte, betrachten, die möglicherweise dem Goetheanum ein anderes Gesicht und eine neue Stärke verleihen werden. Das Umdenken wird u. a. die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, die Bühne, die Bau Administration, den Empfang und die allgemeine Administration betreffen. Nicht jeder wird mit den notwendigen Massnahmen glücklich sein. Aber wir bemühen uns um einen umfassenden, gut durchdachten, verantwortungsvollen Prozess bei Durchsicht, Überprüfung, kritischer Reflexion und Planung für das Goetheanum. Vom finanziellen Standpunkt her kann ich sagen, dass er notwendig ist. Wir werden auch unsere Kollegen und Kolleginnen in den Landesgesellschaften in diesen Prozess einbeziehen, müssen aber zunächst unsere eigene „Hausaufgaben“ leisten.

Ich fasse nochmals zusammen: die laufenden Kosten des Goetheanum müssen aufgrund der zu erwartenden Einnahmen für 2011 um circa 1,7 Mio. oder 8% reduziert werden. Unter Berücksichtigung der bereits unternommenen Schritte für 2010, beträgt die gesamte Verminderung etwa 3,5 Mio. CHF. Das wird Konsequenzen für alle Bereiche des Goetheanum haben.

Diese Entscheidungen sind nicht leicht, sie sind aber notwendig und bewegen das Goetheanum in Richtung einer merklich besseren finanziellen Stabilität. Wir erwarten, dass dieser Prozess vor 2011 abgeschlossen wird.

BILANZ 2009

Schauen wir nun die Bilanz an, welche die Aktiva und Passiva vom 31.12.2009 und die Veränderungen in Bezug auf das Vorjahr zeigt. Die Gesamtbilanz ist um 800 TCHF von 19,3 Mio. auf 18,5 Mio. vermindert. Auf der Aktivseite hatten wir etwa 1,3 Mio. liquides Vermögen mehr als in 2008 . Wir hatten 2009 1,2 Mio. mehr Umlaufvermögen, da wir zu Beginn 2009 Wertschriften und Obligationen liquidierten und uns 380 TCHF an Darlehen zurückbezahlt wurden. Der Aktienbestand, der aus Weleda und Vital Aktien besteht, hat sich während 2009 nicht verändert. Die Abnahme der Finanzanlage zeigt eine bedeutende Veränderung auf der Aktivseite der Bilanz. Die Abnahme dieser Position hängt mit der Liquidation der Wertschriften und Obligationen zusammen. Wir mussten diese Aktiva reduzieren, um laufende Kosten zu decken.

Die Sachanlange haben wir 2009 nominell um 385 TCHF vermindert. Ausser einer kleinen aussordentlichen Abschreibung von weniger als 100 TCHF- im Vergleich zu 2008 mit 1,4 Mio. - blieb der Buchwert der Gebäude unverändert. Unsere Politik ist es nach wie vor, das Goetheanum-Gebäude bis auf 1 symbolischen Franken abzuschreiben, um eine kommerzielle Bewertung zu vermeiden.

Auf der Passivseite haben wir die kurzfristigen Verpflichtungen 2009 um beinahe 500 TCHF reduziert, wobei die langfristigen Schulden um 311 TCHF zugenommen haben. Dies ist vor allem der Tatsache zuzuschreiben, dass wir während des Jahres ein Darlehen aufgenommen haben.

Die Summe der Schenkungen mit Rückfallrecht hat wegen Umwandlung in definitive Schenkungen um circa 400 TCHF, inklusive Auflösung von Baubriefen, abgenommen. Die Rückruf- oder Rückzahlungsrate ist bei dieser Art von Schenkungen oder Darlehen stets sehr niedrig und liegt bei etwa 4%. Etwa 200 TCHF an Baubriefen – technisch gesehen Darlehen - wurden in Schenkungen umgewandelt. Auch da haben Passiva abgenommen haben. Andere grössere Veränderungen gab es keine.

Die Bilanz zeigt eine leichte Abnahme des Eigenkapitals, aufgrund eines kleinen Verlustes von 67 TCHF bei einem Jahresumsatz von 23,219 Mio. CHF für 2009.

 

Gewinn- und Verlustrechnung 2009

Gehen wir nun zur Erfolgsrechnung für 2009 über. Wenn wir auf die Ausgaben schauen, so sehen wir eine Zunahme der Mitarbeitereinkommen von 446 TCHF im letzten Jahr, ein Ergebnis einer 1 %-igen Zunahme des Grundeinkommens aller Mitarbeitenden und der zusätzlichen Mitarbeitenden für die Mysteriendramen. Die Sachkosten hingegen belaufen sich auf 8,6 Mio., also 1,8 Mio. weniger. Dies ist bedingt durch die niedrigeren Kosten der Veranstaltungen am Goetheanum während des Jahres, einschliesslich eben der Produktionskosten der Mysteriendramen, die ja einen bedeutenden Teil der Gesamtkosten ausmachen.

Schliesslich sind die Nebenaufwände mit 1,7 Mio., einschliesslich Zinsen und Ausgaben für Sanierungen der Mitarbeitenden-Wohnungen, über 1 Mio. niedriger als 2008. Der Gesamtumsatz von 2009 ist 3,7 Mio. weniger als 2008 und nur 370 TCHF mehr als budgetiert. Somit hat sich das Goetheanum an die geplanten Kosten und an das Gesamtbudget gehalten, trotz des „Risikos“ der Neuinszenierung der Mysteriendramen.

Die Dramen haben für 2009 beträchtliche Nettokosten verursacht, da drei Dramen neu einstudiert wurden und wegen der wenigen Aufführungen nur relativ kleine Einnahmen verbucht werden konnten. Es ist den Mitarbeitenden der Bühne und der Regie gutzuschreiben, dass die effektiven Nettoausgaben um 74 TCHF niedriger ausfielen als das genehmigte Ausgabenbudget von 2,2 Mio. CHF. Das ist, finanztechnisch gesprochen, eine Punktlandung!

Wir haben im Frühjahr 2009 eine erfolgreiche Mittelbeschaffungsaktion für die Mysteriendramen durchgeführt.

Die zu verdoppelnden Spenden von 250 TCHF wurden bis September 2009 mehr als verdreifacht und so schlossen wir die Aktion mit einer Summe von 788 TCHF an Spenden für die Dramen ab. Diese Tatsache gab uns das notwendige Vertrauen, mit den Dramen weiterzufahren und ich hoffe, Sie sind mit mir einverstanden, dass dies eine richtige Entscheidung war – für die Mitglieder wie für das Goetheanum!

Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, Ihnen, liebe Mitglieder zu danken, dass wir diese wesentlichen Inhalte der Anthroposophie und der künstlerischen Aktivität des Goetheanum entwickeln und ausbauen konnten. Viele von Ihnen - aus der ganzen Welt - haben die Mysteriendramen grosszügig unterstützt. Gleichzeitig möchte ich aber hinzufügen, dass unsere Arbeit keinesfalls beendet ist – wir benötigen 1 Mio. CHF an zusätzlichen Spenden für 2010, um die Mysteriendramen zu vollständig finanziert zu haben.

Es gibt noch einiges, was ich in Bezug auf unsere Einnahmen hinzufügen möchte. Wie vorhin erwähnt, setzen wir den Abklärungsprozess des Mitgliederstatus in den verschiedenen Ländern fort. Die dadurch entstehende Reduktion der Anzahl registrierter Mitglieder kann in einem Land bis zu 15% ausmachen. Dies beeinflusst die jährlich Summe der Solidaritäts- Mitgliederbeiträge der einzelnen Länder. Es ist wichtig für die Gesellschaft, diesen Klärungsprozess durchzuführen, aber er bedeutet, dass das Goetheanum letztendlich weniger Mitgliederbeiträge erhält.

Auch durch Währungsschwankungen in einigen Ländern wurden die Mitgliederbeiträge beeinträchtigt. Der Schweizerfranken war stark und wir haben Verluste erlitten durch die Wechselkurse von z.B. USD und englischem Pfund, die historische Tiefstwerte erreichten. Trotz dieses Problems konnten die gesamten Mitgliederbeiträge auf dem Niveau von 2008 gehalten werden. In der Tat hätten wir sogar ein bisschen mehr erhalten, aber manche Zahlungen für 2009 sind erst Ende Februar 2010 eingetroffen und müssen so auf 2010 verbucht werden! Jedenfalls betrachte ich es als ermutigend, dass die Mitgliederbeiträge konstant gehalten werden konnten.

Und noch eine gute Nachrichten: Weiterhin waren die Institutionsbeiträge in 2009 um 460 TCHF höher. Dies ist sehr positiv. Auch die freien Schenkungen (9c) von 1,833 TCHF waren um 370 TCHF höher als 2008, trotz der trüben und schwierigen finanziellen Situation der Welt. Das ist wirklich mehr als erfreulich! Und, wenn wir noch die Gesamtsumme der Schenkungen aus dem Weihnachtsaufruf erwähnen, (wir erhielten die erstaunliche Summe von 800 TCHF) sowie das Ergebnis des speziellen Johanni-Aufrufes in Deutschland und in der Schweiz, der 367 TCHF an Spenden eingebracht hat, hinzuzählen, dann können wir Ihnen, liebe Mitglieder, enorm dankbar sein für diese ausserordentliche Unterstützung, Ihr grosses Vertrauen und Engagements für das Goetheanum! Dieser Beweis von gutem Willen und Grosszügigkeit hat uns wirklich aufgerichtet und war äusserst hilfreich in diesen nicht einfachen Zeiten. Vielen herzlichen Dank!

Wir haben die budgetierten Legaten für 2009 auf 700 TCHF reduziert und waren dankbar, 1,8 Mio. zu erhalten, über 1 Mio. mehr als budgetiert. Die Summen, die das Budget überstiegen, halfen uns, die Mysteriendramen zu finanzieren und erlaubten dem Goetheanum die Anschaffung von neuer Software für den Veranstaltungs-, Kartenverkaufs- und Konferenzbereich, die ausser internen Erleichterungen eine bessere Bedienung der vielen Gäste, Besucher und Mitglieder ermöglichen soll.

Zusammenfassend: das Goetheanum erhielt 2009 erfreulich viele Spenden und Schenkungen und die Mitgliederbeiträge waren trotz Wechselkursproblemen im wesentlichen stabil.

Budget 2010

Schauen wir kurz auf das Budget von 2010, das eine Summe von etwas über 21 Mio. CHF aufweist. Das sind fast 2 Mio.. CHF weniger als im Budget vom letzten Jahr. Im Herbst 2009 legten wir eine Richtlinie zur 8-10%-igen Reduktion für das Gesamtbudget 2010 fest. Eine Ausnahme bildete die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Die Sektionen wurden gebeten nicht zu reduzieren, sondern die Summe der Nettokosten gleich zu halten. Alle anderen Bereiche hatten ihr Budget zu reduzieren. Diese Entscheidung trafen wir aus der Erkenntnis heraus, dass das freie Geistesleben die Hauptquelle der Erneuerung ist. Wir wollen der Arbeit der Sektionen, entsprechend unseren Verhältnissen, so viel Raum wie möglich lassen. Sie sehen also, dass das Budget der Hochschule nicht reduziert wurde. Dies forderte allerdings noch grössere Anstrengungen der übrigen Bereiche, um das Ziel der Gesamtreduktion zu erreichen. Wir haben die erwarteten Nachlass- und Schenkungssumme weiter reduziert, sodass von den Gesamteinnahmen von 8,7 Mio. CHF von der Gesellschaft ein Betrag von 1,9 Mio. CHF zur Unterstützung der Hochschule zur Verfügung steht, während das Goetheanum als Kulturzentrum einschliesslich Bühne, Empfang und Bauadministration 6,87 Mio. CHF erhält. Dies übt einen starken Druck auf die Abteilungen aus und hat einen intensiven Prozess in Gang gesetzt, der eine Reduktion des Gesamtbudgets von 7,9% für 2010 zur Folge hat. In allen Bereichen, aber insbesondere bei der Bühne, bei der Bauadministration und beim Empfang haben wir wesentliche Reduktionen vorgenommen.

Der Budgetierungsprozess zeigt, dass wir zusammenarbeiten müssen, um einen klaren Satz von Prioritäten zu formulieren und ein neues Arbeitsbild für das Goetheanum der Zukunft zu entwerfen. Das ist der Gedanke, mit dem ich diesen Bericht begann. In einer Zeit der Beschränkung? bei begrenzten Ressourcen, müssen wir rigoros Prioritäten setzen. Es gelang uns, ein weiteres Jahr – 2009 – ohne einschneidende Änderungen abzuschliessen – vor allem dank der grossen Opferbereitschaft und Unterstützung durch Sie, liebe Mitglieder und Freunde.

Nun ist es aber an der Zeit, die notwendigen Schritte zu tun, um ein langfristiges Gleichgewicht der Finanzen zu erreichen. Ein positiver und wesentlicher Schritt. Es wird von einer breit abgestützten Gruppe im Goetheanum getragen. Ich hoffe sehr, dass diese Arbeit für die Zukunft des Goetheanum auch von unseren Freunden und Mitgliedern mitgetragen und unterstützt wird.

Ich danke Ihnen sehr!


Cornelius Pietzner

23 März 2010