AAG General Versammlung --5 April 2009 Finanzvorstand Bericht
Liebe Mitglieder, liebe Freunde
Als ich noch im Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in den USA tätig war, hatten wir einen langjährigen Schatzmeister, der seinen Finanzbericht in der GV durch das Tragen einer sehr roten oder sehr schwarzen Krawatte zu charakterisieren pflegte. Natürlich war schwarz gut und rot schlecht. Sobald er das Podium betrat, wussten wir was wir zu erwarten hatten-- ein freundlicher Hinweis. Einmal trug er eine schwarze Krawatte, hatte aber eine rote in der Tasche und bei der Hälfte seiner Ausführungen wechselte er diese. Wenn er heute an meiner Stelle wäre, würde er vermutlich eine rote Krawatte mit schwarzen Punkten tragen!
Wie jeder weiss, sind die Zeiten auf dem Finanzsektor gegenwärtig sehr schwierig. Die täglichen Nachrichten berichten von Entwicklungen, die unsicher und besorgt machen. Unter diesen Umständen, deren Ende nicht in Sicht ist, müssen wir uns umso mehr fragen, wo unsere Prioritäten und Kern-aufgaben liegen und wie wir ihnen am besten gerecht werden können. Unsere Finanzplanung berücksichtigt diese Unsicherheiten, wenn wir in das nächste Jahr und darüber hinaus schauen.
Ich möchte in meinem Finanzbericht heute auf 5 Bereiche näher eingehen: 1) Rückblick auf das letzte Jahr, inklusive der Weleda Entwicklung 2)Zwei wichtige Initiativen des Goetheanum—die Mysteriendramen und die Bau-Sanierung 3)Unser Budget 2009 4)Eine neue Form der Darstellung unserer Finanzen 5)Zukunftsausblick Ich habe eine ausführliche Darstellung der Finanzsituation am Goetheanum in der Februar Ausgabe der Anthroposophie Weltweit veröffentlicht. Diese enthält die Zahlen unseres Budgets 2008 und 2009. Wenn wir auf das Jahr 2008 zurückschauen, so sind zwei grundlegende Informationen wichtig. Die eine bezieht sich auf unsere Bilanz vom 31.12.2008, die die Aktiva und Passiva zu diesem Zeitpunkt und deren Änderungen seit Ende 2007 zeigt. Die andere auf unsere Gewinn- und Verlustrechnung. Sie zeigt unsere finanzielle Tätigkeit. Wenden wir uns den Einzelheiten zu:
Die Bilanz
Schon der erste Blick auf die Bilanz zeigt, dass wir mit 19,3 Mio CHF 3,9 Mio weniger Aktiva und Passiva haben als im Jahr zuvor. Dies rührt von der Tatsache her, dass wir Projekte wie die Mysteriendramen durch Reserven ausgeglichen haben, aber auch die Rückzahlung beträchtlicher Darlehen und einiger Hypotheken leisten mussten. In Übereinstimmung mit unserer langfristigen Bilanzpolitik haben wir auch das Glashaus und den grossen Saal weiter abgeschrieben. Diese drei Faktoren üben den grössten Einfluss auf die Bilanz aus. Zu diesem Zweck haben wir Einnahmen aus dem Verkauf einer Liegenschaft in Arlesheim im Januar 2008 sowie aus der Auflösung von intern zweckbestimmten Rückstellungen auf der Passivseite verwendet.
Die Entwicklungen, die die Bilanz widerspiegelt, sehe ich als positiv und schwierig zugleich. Wichtig war dass wir unsere langfristigen Verpflichtungen reduzieren konnten, schwierig deshalb, weil wir dafür eine entsprechende Summe aus unserem Umlaufvermögen heranziehen mussten. Dies war unserer Liquidität abträglich, die für das Goetheanum eine ständige Herausforderung darstellt. Das Goetheanum hat monatlich etwa 2 Mio CHF an Rechnungen zu begleichen. Zusammenfassend, die Abnahme der Darlehen, Hypotheken und internen Rückstellungen verändert die Bilanz und ist für die Herabsetzung der Bilanzsumme verantwortlich. Die Gesamtfinanzierung war in erster Linie durch den Verkauf von Eigentum für 3 Mio CHF und durch die Zunahme der Schenkungssumme in 2008 möglich.

Weleda
Nun möchte ich an dieser Stelle auf die ersten Fragen des Antrags von Dr. Hardorp in Bezug auf Weleda eingehen. Die Antworten darauf sind auch in der Bilanz ersichtlich. Bevor ich auf die Einzelheiten eingehe, möchte ich einraümen, dass die Kommunikation gegenüber den Mitgliedern in Bezug auf die Weleda-Transaktion letztes Jahr ungenügend war. Dadurch sind unnötige Probleme entstanden, was ich bedaure. Das möchte ich deutlich hier an dieser Stelle sagen.
Es ist aber eine Tatsache, dass unsere Beziehung zur Weleda durch den gesamten Prozess verändert, ja verbessert, wurde, denn seit 2007 sind wir mit der Weleda in ständigem, aktivem und offenem Gespräch. Das war früher nicht so. In der Vergangenheit hatten wir nur wenig Kontakt und Dialog. Wir sehen die Entwicklung unserer Arbeitsbeziehungen seitdem positiv.
Als erstes frägt Dr. Hardorp, ob Partizipationsscheine verkauft wurden oder ob deren ursprüngliche Anzahl noch im Besitz der Anthroposophischen Gesellschaft sei. Die Antwort lautet, keine PS wurden (2008) verkauft. Wir besitzen 3433 PS, welche unserem ursprüngliches Bezugsrecht entsprechen. Dies ist beim Vergleich der Beteiligungszahlen für 2007 und 2008 in der Bilanz unmittelbar ersichtlich. Die zweite Frage lautet, wo die PS auf dem Bilanzblatt ausgewiesen seien. Auch hier gibt es keine Änderung seit 2007: unter Aktiva/Beteiligungen finden wir den gleichen Wert. Der Wert aller unserer Weleda-Aktien, mit und ohne Stimmrecht, beträgt 3,7 Mio CHF. Es gab keine Bewertungsänderungen in der Bilanz zwischen 2007 und 2008.
Die PS sind in der Bilanz mit dem Nominalwert der Aktie enthalten. Dieser beträgt 500 CHF, so sind also in der Bilanz 500 mal 3433 PS, d.h. 1,716 Mio CHF enthalten. In der Gewinn- und Verlustrechnung 2007 schrieben wir die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Einstandspreis der PS, welcher pro Aktie 1496 CHF betrug, und dem Nominalwert von 500 CHF pro Aktie ab. Die Differenz betrug 996 CHF pro Aktie, multipliziert mit 3433, entsteht ein einmaliger Aufwand (durch Abschreibung) von 3,419 Mio CHF. Diese Summe erscheint in der Gewinn- und Verlustrechnung unter dem Ausserordentlichen Aufwand von 2007. Da die Anthroposophische Gesellschaft die Transaktion in Absprache mit der Ita Wegman-Klinik führte, wiesen wir für 2007 einen Ergebnis von 9,020 Mio CHF, enthalten in „Ausserordentlichen Einnahmen“, aus. Von dieser Summe sind drei Millionen der Erlös für die AAG im Jahre 2007. Sie wurden für im selben Jahr entstandene Kosten, einschliesslich der damals begonnenen Mysteriendramen, verwendet. Diese Darstellung zeigt transparent in Zahlen die Vorgänge der Weleda Transaktion. Damit sind auch die noch offenen Fragen von Dr Hardorp beantwortet.

In der März, bzw April Ausgabe von Anthroposophie Weltweit, wurde ein Interview mit Vertretern des Weleda Verwaltungsrat, der Ita Wegman-Klinik und der Anthroposophischen Gesellschaft publiziert. Dieses bezieht sich auf die Lage im Jahre 2007 und auf Gespräche über eine Stiftung und mögliche Holding für die Weleda. Die Fragen aus dem zweiten Teil von Dr. Hardorp wurden in diesem Aufsatz beantwortet. Der Klarheit halbe möchte ich noch einige Bemerkungen hinzufügen. Die Hauptaktionäre wurden 2004 von der Weleda mit der Bitte angesprochen, die Überführung ihrer Aktien in eine Stiftung zu überlegen. Wir verbanden damit keine besonderen Absichten, waren aber einverstanden, diese Bitte zu diskutieren, da wir einer notwendigen Entwicklung der Weleda nicht im Wege stehen wollten. Das ist unsere eigentliche Intention. Es ist somit keine neue Idee, eine Stiftung zur Finanzierung der Weleda zu gründen und Aktien der Hauptaktionäre in diese Stiftung überzuführen. Es wurden Gespräche geführt aber bisher keine Entscheidungen darüber gefällt, wie dies durchzuführen wäre. Eine Übereinstimmung über den Zweck und das Ziel einer solchen Stiftung wurde allerdings erreicht. Ich möchte jetzt -- im Einverständnis mit der Weleda und der Ita Wegman-Klinik, aus zwei Protokollen von einem unserer Treffen in April und Oktober 2008 vorlesen.: Ich zitiere aus der Protokollen: In diesen grundsätzlichen Fragen wurde Konsens erzielt: 1)Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Weleda 2)Eine Weleda Stiftung ggf Holding, soll—wenn irgend möglich—in der Schweiz domiziliert sein 3)Die Stiftung soll die Rolle der Finanzierung der Gesellschaft übernehmen, soweit es sich um Eigenkapital handelt. 4)Sie soll den jetzigen Hauptaktionären oder auch anderen Aktionären ihre Anteile abkaufen können 5)Bei den Kapitalgebern geht es um Investoren, sowohl institutionelle wie auch private (unter Bedingung von Pkt. 1) 6)Sie soll in geeigneter Weise in die anthroposophische Bewegung eingebunden werden. Kurz gesagt, die langfristige Erhaltung der Weleda, unabhängig von den Geschäftsverhältnissen der Hauptaktionäre, wie auch die Professionalisierung der Finanzierung der Unternehmung, ist wesentlich. Die heutigen Hauptaktionäre können die Finanzierungsseite des Aktienbesitzes nicht bedienen. Dies wurde 2007 klar gezeigt. Die Weleda wird aber für ihr Wachstum in der nächsten Zeit voraussichtlich beträchtliches Kapital brauchen. Es ist auch zur Zeit keine Entscheidung darüber gefallen, wer im Stiftungsrat sein soll oder wie die Stiftungsräte ausgewählt werden. Wir haben bezüglich der geplanten Übertragung von Aktien und Partizipationsscheinen in eine Stiftung oder Holding keine Entscheidung gefällt. Durch das Einbringen der Aktien der Hauptaktionäre in eine Stiftung würde die Eigentümerrolle –soweit die Hauptaktionäre betroffen sind- auf die Stiftung übertragen, weshalb eine Unternehmungsbewertung notwendig wird, auf deren Grundlage die Aktien an die Stiftung verkauft würden. Dies ist keine Intention, sondern es sind Konsequenzen aus der ursprünglichen Anfrage von Weleda. Wie dies durchzuführen wäre, steht nicht im Zentrum der gegenwärtigen Gespräche. Mag sein, dass zum Zeitpunkt der nächsten Generalversammlung mehr darüber gesagt werden kann. Wichtig ist für alle Parteien, die Hauptziele einer solchen Stiftung im gegenseitigen Einverständnis zu klären. Dies ist bereits geschehen.
Gewinn und Verlust- Rechnung 2009 Kehren wir wieder zum Rückblick 2008 und der Gewinn und Verlust Rechnung. Ich möchte auf einige Punkte in Bezug auf die Ausgaben hinweisen.
Aufwand: Die Mitarbeitereinkommen betrugen 12,4 Mio, also weniger als im vorigen Jahr, obwohl die Aktivitäten zugenommen haben. Das bedeutet, dass das Goetheanum mehr macht mit derselben Anzahl oder weniger Mitarbeitern. Vor 6 Jahren zum Beispiel, waren die Mitarbeitereinkommen 12.7 mio CHF. Bei den Sachkosten sind die höheren Veranstaltungskosten gegenüber 2007, bedingt durch die Mysteriendramen-Arbeit, und eine kleine Renovation des Grundstein-Saales . Obwohl wir weniger Abschreibungen haben als im Jahr 2007, schrieben wir beim Glashaus etwas über 900 000 CHF und beim Grossen Saal etwas über 400 000 CHF ab. Unter Nebenkosten finden wir durchschnittliche sonstige Aufwände. Dem Gesamtaufwand von 26,977 Mio für das Jahr steht ein Gesamtertrag von 26,899 Mio CHF gegenüber. Dadurch ergibt sich ein kleiner Fehlbetrag von 78,000 CHF für 2008.

Ertrag: Auf der Ertragsseite haben wir 4,5 Mio CHF Mitgliederbeiträge erhalten, 40 000 CHF weniger als budgetiert. Die meisten Länder konnten ihre Beitragsverpflichtungen für das Jahr erfüllen, was für das Goetheanum natürlich sehr wichtig ist. Sowohl bei den Konferenzen und Kursen als auch bei den künstlerischen Darbietungen erzielten wir 2008 mehr Einnahmen. Schauen wir auf die zweckgebundenen Schenkungen - Schenkungen für die Mysteriendramen, für Bauprojekte und für die Hochschule -, aber auch auf die freien Schenkungen und Nachlässe, so sehen wir mit Überraschung, dass diese 2008 erfreulich ausfielen. Wir erhielten 4,25 Mio CHF – fast eine Million mehr – an zweckgebundenen Spenden und 281 000 CHF mehr an freien Schenkungen und Nachlässen als 2007. Es handelt sich hierbei um einige einmalige Spenden. Ich möchte bei dieser Gelegenheit-- im Namen des Vorstandes--Ihnen allen für die finanzielle Unterstützung, die auf so vielen Wegen zu uns gelangte und dem Goetheanum im letzten Jahr so viele Aktivitäten erlaubte, ganz herzlich danken. Danke schön! Es ist sehr wichtig, dass wir unser Ertragsbudget realisieren. Es ist aber schon das zweite Jahr, dass wir wesentlich weniger Nachlässe erhalten haben als budgetiert. Der Vorstand hat beschlossen, die budgetierte Nachlass-Summe für 2009 wesentlich zu reduzieren. Für 2008 waren 1,5 Mio vorgesehen, für 2009 sind 700,000 CHF budgetiert. Dieser Schritt war für das Goetheanum schwerwiegend, aber notwendig. Wir haben einen Besitz in Arlesheim an zwei anthroposophische Stiftungen verkauft, um Ausgaben zu decken, die durch die Mysteriendramen-Arbeit, durch die Rückzahlung von zwei grossen Darlehen und einer Hypothek verursacht wurden. Obwohl wir 2008 in Arlesheim das definitive Benutzungsrecht einer zusätzliche Wohnung vererbt bekommen haben, wollen wir langfristig unsere Kosten für Laufendes und Grossprojekte nicht durch das Veräussern von Eigentum finanzieren. Unsere jährlichen Betriebskosten sind im Verhältnis zu unseren Einnahmen schlichtweg zu hoch. Dies hat zur Abnahme der wenigen Reserven und zu Liquiditätsproblemen geführt. Wir müssen sorgfältig überlegen, was wir in Zukunft tun oder nicht tun können. Wir haben z.B. klar gesagt, dass eine Fortführung der Mysteriendramen-Arbeit davon abhängt, ob wir sie finanzieren können. Die Gesamtkosten dafür betragen 2009 2,5 Mio CHF. 1,5 Mio sind durch eine spezielle Schenkung, durch Einnahmen der Vorführungen und durch Nachlässe gesichert. Bis Sommer benötigen wir eine Million zusätzliche Spenden. Wir werden in den nächsten Monaten verstärkt und fokussiert Anstrengungen zu diesem Zweck unternehmen.

In diesem Zusammenhang freue ich mich, eine besondere Initiative von einigen Mitgliedern und Freunden anzukündigen, die 250 000 CHF für die Mysteriendramen-Arbeit als „Challenge Grant—eine Verdoppelungsaktion-- versprochen haben. Dies ist gemeint als herzliche Einladung an alle Mitglieder und Freunde, diese Herausforderung anzunehmen. Jede Spende für die Mysteriendramen-Arbeit zwischen heute und dem 1. August 2009 wird mit dem gleichen Betrag bis max. 250 000 CHF verdoppelt! Eine grosszügige, begeisternde und wunderbare Initiative für uns alle! Wir haben Flugblätter in verschiedenen Sprachen erstellt, um diese Aktion zu erklären. Wir hoffen, dass Sie alle dieses Flugblatt mitnehmen, um mit Ihren Freunden zu überlegen, ob Sie diese Verdoppelungs-Initiative unterstützen und dadurch bei der Finanzierung mithelfen können! Wenn wir 250 000 CHF zusammenbringen, und die zweiten 250 000 CHF dazu erhalten, haben wir unser Ziel schon halb erreicht. Für die restlichen 500,000 werden wir uns unter anderem an anthroposophische Stiftungen wenden. Eine grosse Anstrengung ist notwendig, aber ich vertraue darauf, dass wir es schaffen werden, wenn sich viele Mitglieder beteiligen! Die Mysteriendramen sind eine wesentliche Darstellung der Anthroposophie und wir möchten sehr gerne alle vier Dramen bis 2010 auf die Bühne bringen. Unser herzlicher Dank im Voraus, wenn Sie diese wichtige Spenden-Initiative mit Wohlwollen begleiten!

Wir haben ein zweites grosses Finanzierungsprojekt für die Jahre 2009 und 2010. Schon lange überfällig und absolut notwendig, ist die Sanierung des Schieferdaches des Goetheanum. Nicht nur, dass wir ständig Energie verlieren wegen der schadhaften Isolation und dem beschädigten Unterbau, die Schieferplatten des Daches selbst sind nicht mehr sicher. Einen Grossteil des Schiefers müssen wir ersetzen und die andern sichern. Wir werden ein grosses Baugerüst benötigen, um die Aussenrenovation des Betons auf der Süd- und Westseite und teilweise auch auf der Nordseite zu Ende zu führen. Und schliesslich müssen wir auch die Oberfläche der Aussenterrasse erneuern - ein Flickwerk, das nur noch der gute Wille zusammenhält. Diese drei Projektteile werden 3,7 Mio CHF kosten. Wir wollen dieses Jahr versuchen, durch spezielle Schenkungen so weit zu kommen, dass wir die Arbeit 2010 beginnen können. Die Renovation der technischen Bühne mussten wir aus finanziellen Gründen aufschieben. Die Instandsetzung wäre bereits 1996 notwendig gewesen. Bei der neuerlichen Betrachtung der drei Projekte: Mysteriendramen, Goetheanumbau und Bühne mussten wir leider feststellen, dass wir nicht alle drei auf einmal durchführen können. Die Kosten sind einfach zu hoch. Wie schon gesagt sind die Finanzierung der Mysteriendramen und des Baues eine grosse Herausforderung. Ich hoffe, dass wir die Mittel für die ersten beiden Projekte finden und dann die Renovation der technischen Bühne 2011 oder 2012 anpacken können. Gelingt dies nicht, so müssen wir uns darüber im Klaren sein, aus funktionellen und Sicherheitsgründen immer mehr begrenzen zu müssen, was auf der Bühne geschehen kann. Die Instandsetzung kann nicht nach und nach stattfinden. Einmal begonnen, müssen wir das ganze Projekt durchführen.
Budget 2009 Für 2009 haben wir vorsichtig budgetiert. Für die Nettoausgaben der Hochschule sind etwa 200 000 CHF mehr vorgesehen als 2008, für die Gesamteinnahmen der Gesellschaft 1,5 Mio mehr als im Jahr zuvor. In dieser Zahl sind die Einkünfte der Mysteriendramen von 2 Mio beinhaltet, die wir unter „Ausserordentlicher Ertrag“ budgetiert haben. Die Hälfte dieser Summe muss erst noch realisiert werden. Die zusätzlichen Kosten für die Mysteriendramen sind unter Bühne angeführt, auf diese Weise sind die Nettoausgaben des Goetheanum 2009 um 1,3 Mio höher als im Budget von 2008. Mit weniger geplanten Investitionen von über 600 000 CHF können wir also für 2009 ein ausgeglichenes Budget von 22,855,150 CHF vorlegen. Das Projekt Transparenz Nun möchte ich etwas kurz über eine neue Art der Darstellung unsere Finanzen erwähnen. Während der letzten Jahre haben wir das Aufzeigen der vollen und realen Kosten verschiedener Aktivitäten fortlaufend verbessert. Im letzten Jahr waren Verwaltung und Dienstleistungen bzw. die Bauadministration separate Kostenbereiche. Diese haben aber hauptsächlich eine dienstleistende und unterstützende Funktion und dies wollen wir von diesem Jahr an durch die Kostenzuteilungen zeigen. Das heisst diese Infrastrukturen unterstützen unter anderem die Arbeit der Hochschule—und das wollen wir transparenter darstellen. Ein Beispiel: jede Sektion braucht Computer, technische Unterstützung, Räume und Gebäude, Heizung und Reinigung, Sicherheit usw. Die Kosten für diese Dienstleistungen wurden in der Vergangenheit separat und zentral ausgewiesen, obwohl sie, so zusagen im Dienst, der Sektionen sind. Nun haben wir eine Reihe von Bezeichnungsschlüssel für die Gesellschaft, für das Goetheanum und für die Freie Hochschule ausgearbeitet, sodass die Kosten entsprechend des eigentlichen Zwecks zugeteilt und dargestellt werden können. Dies ist nicht nur ein Schritt, um intern Klarheit zu schaffen, sondern ermöglicht auch den Mitgliedern, Einblick in den Zweck unserer Einnahmeströme zu erhalten. Es zeigt sich, dass die realen Kosten der Hochschule, die von der Gesellschaft unterstützt wird, selbstverständlich wesentlich höher sind, sobald wir die Dienstleistungen mit Hilfe von Referenzschlüsseln direkt den tätigen Bereichen zuschreiben. Das ist auch richtig so, und zeigt, wie die Gesellschaft die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft unterstützt. In Zukunft wird also der grosse Ausgabenblock Bau- und Allgemeine Administration, der hauptsächlich (aber nicht nur) der Hochschule dient, nicht mehr so erscheinen wie früher. Ich glaube, dies ist ein wesentlicher Schritt für die transparente und verständliche Aufstellung der Goetheanumfinanzen.

Ausblick Nun, welche Farbe hat die Krawatte für die Zukunft- schwarz oder rot? Wir haben das Finanzjahr 2008 geschafft, aber wir haben Eigentum verkauft. Wir haben unerwartet ein grosses Darlehen zurückzahlen müssen – und wir haben unsere Arbeit an den Mysteriendramen ernsthaft angepackt. Wir haben Reserven verwendt und haben jetzt kaum noch Reserven übrig. Nun stehen grosse und wichtige Projekte vor uns, die sehr kostspielig sind. Wir wollen die Mysteriendramen aufführen – wo denn sonst als im Goetheanum – aber sind wir imstande, sie zu finanzieren? Wir wollen Eurythmie, wir wollen all die Sektionen, wir brauchen Administration, aber können wir das alles bezahlen? Und wer ausser Mitglieder wird sich mit unserer Anliegen verbinden? Wir haben weltweit weniger als 50’000 Mitglieder auch wenn empfindungsgemäss die Gesellschaft viel grösser ist! Vom finanziellen Standpunkt her muss ich sagen, dass wir mit der Mitgliedergesellschaft eine Basis haben, die schlichtweg nicht breit genug ist. Vor 12 Jahren haben wir über 54,000 Mitglieder gehabt und weniger Gesamtkosten. Vor 20 Jahren, in 1989, haben wir 47,195 Mitglieder gehabt! Anfang 2008 hatten wir 47,950 Mitglieder und am Endes des Jahres 46,890! Das bedeutet dass wir im Laufe von 20 Jahren netto 300 Mitglieder weniger in unserer Gesellschaft haben! Wir sind aber eine Mitgliedergesellschaft! Vom Gesichtspunkt der Finanzen am Goetheanum ist diese Situation nicht gesund. Wir müssen sie ins Bewusstsein nehmen und zu verändern suchen. Die Beiträge von Mitgliedern unterstützen den Lebensstrom des Goetheanum. Auch wenn dieser Themenkomplex vielschichtig ist, müssen und werden wir in Zukunft unsere Anstrengungen verstärken. Ich meine, dass wir gemeinsam mit den verschiedenen Landesgesellschaften aktiv werden und anthroposophische Institutionen in diese Arbeit einbinden müssen. Ich würde mir eine Weltgesellschaft mit zweimal so vielen Mitgliedern wünschen--ja, eine mit 100,000 Mitgliedern!

Das Goetheanum hat beträchtliche fixe Kosten, wir haben viele alte Gebäude und manche brauchen dringend Renovierung. Wir haben die verschiedensten Aktivitäten und natürlich sind alle wichtig! Sollen wir innehalten und sagen, wir schaffen es nicht? Oder sagen, wenn wir dieses tun, können wir nicht auch jenes tun! Ich spreche offen, weil ich es nicht mehr als gesichert ansehe, dass wir so fortfahren, wie es hier am Goetheanum 80 Jahre lang ging. Aufgrund der gegenwärtigen Einnahmen – die wir nur durch die stete Grosszügigkeit der Mitglieder erhalten – müssten wir eigentlich weitere 1,5 bis 2 Mio Kosten reduzieren. Am besten sollte man dies auf freiwilliger Basis tun, gegründet auf klaren Prioritäten, auch wenn dies schwierige und unpopuläre Entscheidungen voraussetzt. Mögliche Veränderungsgedanken wären: eine dramatische Verminderung der Bühnenarbeit, eine Reduktion der Anzahl an Tagungen auf etwa die Hälfte, die Reduktion von Sektionen oder die weitere Reduktion der allgemeinen Verwaltung um 30%. Diese Szenarien sind zumindest zu bedenken! Oder—und viel besser-- wir vergrössern wesentlich die Einnahmen auf verlässliche Weise. Mehr Schenkungen und mehr Nachlässe zu budgetieren ist weder sicher noch umsichtig. Mehr Institutionsbeiträge sind eine Möglichkeit, die wir aktiv verfolgen, aber dies ist seit Jahrzehnten ein Thema und bringt bestenfalls bescheidene Ergebnisse bis jetzt. Der Verkauf von stillen Reserven ist möglich, aber langfristig nicht durchzuhalten und keine gute Finanzpolitik. Zu irgendeinem Zeitpunkt sind keine mehr da. Die Vergrösserung unserer Mitgliedschaft wäre weitaus die beste Lösung, ein guter Weg, finanzielle Tragbarkeit zu erreichen. Die Einnahmen aus eigener Aktivität durch grosse Veranstaltungen wie Faust, Zauberflöte oder Opern wie Parzival zu erhöhen, wäre eine andere Möglichkeit. Dies würde eine grössere, systematische Aktivität seitens des Goetheanum und eine aktivere Partnerschaft mit den Landesgesellschaften erfordern. Wir haben eine wunderbare Gesellschaft, aber sie ist finanziell zerbrechlich. Unsere Finanzentwicklung ist etwas was das kreative Engagement unserer Mitglieder brauchen wird, um neue Wege zu finden. In Zeiten wie diesen müssen wir uns nicht nur ernsthaft fragen, wie es weitergeht und warum etwas notwendig ist, sondern auch mit grossem Verständnis und Toleranz für einander neue Wege gestalten.. Ich hoffe, dass uns dies für das nächste Jahr gelingt. Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Cornelius Pietzner 5 April 09
Hier finden Sie die Rede des Schatzmeisters als PDF
|